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Judaica · 1935-06-01 · 9-10 (Juni 1935) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
9-10 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 4 (sequence 8)
Language
German
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des Handwerkers, die in der damaligen Fester Gesellschaft herrschte, bekämpfen. Er erwähnt in ehrenvollen Ausdrücken jeden Verein, jede Person, die diesem Zwecke dient, er bezeichne! die Rückkehr zum ehrlichen genügsamen Erwerb der Arbeit als die beste Vorschutzmaßregel gegen den Antisemitismus. Ignatz Reich ist ein treuer Patriot, aber kein treulosen Assimilant. Wir finden seinen flammenden Aufruf zur Gründung eines hebräischen Kulturvereines, später begnügt sich der Unermüdliche mit einem Aufrufe zu einem allgemeinen Kulturverbande. Jedes Mitglied soll nur einen Schekel zahlen. Er selbst bemerkt aber, als er wieder zu einem Aufrufe aufgefordert wird. ,,Wenn man viel aufgerufen wird, schnodert man immer we niger. “ Er ist der wahre, geistige Führer des damaligen Fester Judentumes, das aber bemerken wir erst aus der Zeitenferrie; ein v ahrer jüdischer Führer, der nicht seine Zeit, sondern erst die Nachweit führt. Ein „Angestellter“ darf doch nicht beanspruchen, daß man sich um seine Fahne schart. Ignatz Reich hat keinen eigenen Herd, keinen Hausaltar gegründet, er hat auf dem Altar des ungarischen Judentumes die heilige Flamme gehütet. Selbstlosigkeit schärft das geistige Auge, macht weitsichtig. Er ist ein genialer Diagnostiker der Judenfrage, und ebenso groß in der Therapie. Er hat noch die große Enttäuschung des ungarischen Judentumes, das Aufflammen des Antisemitismus erlebt, aber er sucht das Übel nicht außerhalb des Judentumes sondern in seiner Mitte selbst. „Habe ich zur Zeit der Emanzipation nicht fortwährend gepredigt, daß wir davon nicht unmäßigen Gebrauch machen sollten, uns zu bescheidenen, nützlichen, nicht nach Reichtum und Macht strebenden Bürgern des Vaterlandes machen sollen?“ Damals trat er in den Ruhestand als Lehrer und einige Jahre später auch als Erdenbürger. Er ist am 18. April 1887 im Alter von 66 Jahren gestorben. Er war wegen seiner hohen Fähigkeit hochgeachtet, aber eigentlich nicht beliebt. Sein bewunderter und gefürchteter Witz geißelte die Schwächen und Fehler seiner Umgebung, aus welcher er hoch emporgeragt ist. Mit der Entwicklung der historischen und enzyklopädistischen Literatur wächst die Bedeutung des bereits vergessen gewesenen Ignatz Reich. Es gibt kein jüdisches Le: ikon oder umfassendes jüdisches Geschichtswerk, das ihn nicht wiederholt zitiert. Weniger gewürdigt ist noch seine Bedeutung als geistiger Führer von wahrer staatsmännischer Begabung und Tatkraft. Er war geeignet das ungarische Judentum emei besseren Zukunft zuzuführen, wenn dieses ge-- eignet gewesen wäre, statt vor goldenen Kälbern zu knien, wie alle anderen Völker auf seine providentionellen Führer zu hören: „Von Mizrajim bis heute.“ * 4

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