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Judaica · 1935-06-01 · 9-10 (Juni 1935) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
9-10 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 2 (sequence 6)
Language
German
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der auch fließend lateinisch gesprochen hat, auf den Sohn mit. Zur Barmizwa konnte der geniale Junge eine selbst verfaßte talmudische Abhandlung halten und erhielt vom Ortsrabbiner den Titel eines „Chower“ in solch jungen Jahren. Er setzte seine Studien in Groß war dein fort. Dort erlernte er die ungarische und deutsche Sprache, die er in solch brillanter Weise Zu beherrschen vermochte, bezog das dortige Gymnasium und ging 1842 nach Pest, Philosophie zu hören. Es mangelte ihmjedoch an Mitteln, die Universitätsstudien zu vollenden. Der hochgebildete, geistvolle und ideal veranlagte junge Mann, der wie sein Vater auch fließend lateinisch, daneben auch deutsch, ungarisch, französisch und hebräisch sprechen konnte, fand in einem vornehmen Hause Stellung als Erzieher. Er nahm in Wort und Schrift leidenschaftlichen Anteil an der patriotischen Bewegung und wirkte erfolgreich mit an der Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Juden, die damals mit traditionel^ ler Treue an der deutschen Kultur festhalten wollten. Der Zusammenbruch der Hoffnungen der ungarischen Patrioten nötigte ihn, im Jahre 1850 in seinem Heimatsorte Zsämbek Zuflucht zu nehmen, wo er sich mit dem ihm eigenen Fleiße und Erfolge dem Studium der englischen Sprache widmete, um das unterdrückte Ungarn mit dem freien Amerika zu vertauschen.*) Da er aber eine ehrenvolle Berufung nach Szekesfehervär (Stuhlweißenburg als Leiter der dortigen Schule erhalten hat, blieb er im ungarischen Vaterlande, dem er, der hebräische und deutsche Gelehrte, mit glühender Liebe zugetan war. Ein Jahr später wurde er, dessen pädagogische Bedeutung nicht unbemerkt bleiben konnte, von der Pester isr. Gemeinde als Religionslehrer berufen. Hier entfaltete er die weiten Schwingen seines Geistes. Er blieb nicht allein „Lehrer der Kinder Jese'huruns"6, sondern Lehrer und Führer der Erwachsenen; erfolgreicher Erzieher der Kleinen, aber erfolgloser Erzieher der Erwachsenen. In dem finanziell mächtig auf kommenden Judentume predigt der W7ortgewaltige vergebens bescheidenen Genuß der errungenen Freiheit und Gleichachtung. Er ist einer der in jeder Zeit entstehenden klassischen Eiferer gegen das goldene Kalb. Nebst der Forderung der Magvarisierung, der völligen Zugehörigkeit der Jude zur Nation, eifert er rastlos zur Erziehung zu produktiven Berufszweigen und zur Bekämpfung unproduktiver Geldgeschäfte an. Er ist der Erste, der Bibel und Reiigionsfächer in ungarischer Sprache vorträgt. Er ist stets in ungarischer Nationaltracht gekleidet, was freilich damals einfach Modekleidung gewesen ist. Auch Jakob Herzl, der Vater Theodors, hüllte seine prächtige Figur in reichverschnürte ungarische Tracht. Im Jahre 1856 beginnt Ignatz Reich sein berühmtestes Werk „Beth-El“, Ehrentempel verdienter ungarischer Isra-2- *‘) Mit ihm flüchtete sein treuester Freund, der aus Senica stammende Schriftsteller Ignatz Friedmann. Nebst der gemeinsam erlernten englischen Sprache, lernten de auch die Liqueur-Fabrikation, um in Amerika einen Frwerb zu finden. 2

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