Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 7-8 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Preßburger Judengemeinde zur Zeit der Napoleorischen Okkupation Das Preßburger Gemeindearchiv, das im Dornröschenschlaf versunken war, wird durch die „Judaica“ zu neuem Leben erweckt und beginnt alte, fesselnde Sagen zu erzählen. Wie sich das Napoleonische Heer genähert hat, wie die Stadt mit 5000 Bomben belegt wurde, wie die Gemeinde zum größten Teile in die Umgegend geflüchtet war, wie das furchtbare Element der Vernichtung erbarmungslos die frommen Wohnsitze Jakobs mit ihren teuern Bücherschätzen verwüstet hat, ist es nicht geschrieben im „Buche der Erinnerung“ des Chatam Sofer? (S. Gold „ Juden und Judengemeinde Bratislava“ wo S. Bettelheim die deutsche Übersetzung publiziert und „Evkönyv“ der I. M. I. T. 1932, wo die ungarische Übertragung enthalten ist.) Das Gemeindearchiv, wohl stark entblättert, enthält noch immer wertvolles Material über die historische Zeit der Anwesenheit der grande armee in Preßburg. Der Gemeindepräsident war dazumal Harsch Spira, der aber geflüchtet zu sein scheint. Israel (Esriel) Brill, der Edle, Tugendhafte, Gelehrte blieb auf seinem Posten. Obwohl er kein Vorsteher war, hielt sich die Behörde an ihn, den geachtetesten Mann der Gemeinde und teilte ihm den Befehl mit, 52.500 fl. als Kriegskontribution für die Gemeinde zu erlegen. Dieser Akt ist nicht auffindbar. Die Antwort Brills aber ist vorhanden. Sie lautet: Löblicher Stadtmagistrat! Eine Löbl. Städtische Repartizions Deputazion hat dem Unterzeichneten als vorgeblichen Vorsteher der Judeng'emeinde die hier sub ./• angebogene Anzeige, mittels eines Stadt-Trabanten heute zustellen lassen. Unterzeichneter erklärt hiemit folgendes: 1tens) daß derselbe von keiner Judengemeinde Vorsteher seye und daß die auf dem städtischen Grund, nemlich auf der Wödrizer Neustift*) wohnhafte Judenschaft, keine besondere Gemeinde vorstellet, sondern mit der Schloßgrunde Judengemeinde einverleibt seye. 2tens) Das so hoch adrepartirte Pausch-Quantum mit 52.500 fl. die auf der Wödritzer Neustift wohnhafte Judenschaft gar nicht im Stande zu leisten; sondern jeder einzelne. findet sich verpflichtet, nur die verhältnismäßige Gebühr von der dem hiesigen PubEcum von Seite S. Majestät des französischen Kaisers auferlegten Contribuzion abzuführen. 3tens) Die Judenschaft bewohnet nur 21 Häuser auf der Wödritzer Neustift, wovon die größten Viere das Kreuz- 19