Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 7-8 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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er zunächst in Boskowitz, dann in Preßburg beim Chatam Sofer; er hat aber auch in Prag gelernt, dort ,,Alte Philologie“ getrieben. Im Jahre 1848 trat er tapfer für sein Vaterland ein und war 'eine Zeit lang Stadtkommandant in einer der Bergstädte, in N'eusohl. Im Jahre 1866 wurde er unschuldig in eine politische Affärfe verwickelt. Als er zum Besuche einer Tochter in Kisucza-iUjhely weilte, wurde er nach seiner Rückkehr von einem bösen Menschen fälschlich beschuldigt, er sei bei Klapka, dem ungarischen Revolutionsgeneral gewesen. In der Nacht wurde er aus dem Bette heraus durch das Gendarmerie-Kommando verhaftet und nach Trencin eskortiert, und von da nach Komarow, wo 'er bis zum Friedensschluß verblieb. Viele Amtskolleg’en, aber auch die katholische und evangelische Geistlichkeit, hatten sich eifrig für ihn verwendet und Zeugenschaft abgelegt, daß 'er sich die ganze Zeit nicht von' K,-U. entfernt hätte. Nach sein’er Rehabitilierung kehrte er in seine Gemeinde Püchov zurück, derfen Rabbinat er Jahrzehnte hindurch bekleidete und widmete sich weiter emsig seinen Studien; in jüdischen Zeitschriften erschienen von ihm zahlreiche halachische und literarhistorische Aufsätz'e. Besondere Mühe verwandte er auf die Erforschung des Einflusses, den Aristoteles auf die jüdische Geisteswelt ausgeübt hat. Püchov war damals die Stätte profunden hebräischen Wisse ns. Hier arbeitete Salamon Gottlieb Stern das hebräische Lexikon, den berühmten „Parchon“ aus, das 1844 in Preßburg gedruckt wurde. S. G. Stern dankt dem Rabbi Samuel Deutschländer darin für seine wertvolle Mitarbeit. Im Hinblick auf die große Bedeutung, die die Aristotelische Philosophie und Ethik im jüdischen Schrifttum genießt, übersetzte er in jahrelanger Arbeit das Hauptwerk von ihm, seine Ethik. Die zahlreichen Mängel der früheren Übertragungen, die des Rabbiner Meier Warisch und anderer, erkannte er genau, und er entschloß sich zu der eigenen Übertragung. Leider kam es nicht zur Drucklegung des Manuskripts, da kein Verleger das Risiko dafür übernehmen wollte. Deutschländer wandte sich deshalb mit einer öffentlichen Bitte (in der Zeitschrift „Hamagid“) an s’eine zahlreichen in der Welt verstreut lebenden Verwandten. Zur Bekräftigung seiner Bitte wies er auf die Würdigkeit seines Hauses hin, auf seine Ahnen, die in ununterbrochener Kette für Mehrung jüdischen Wissens eingetreten seien. Ein Auszug aus diesem Schreiben möge hier folgen, da er einen wertvollen Beitrag für jüdische Heimatkunde bildet. Rabbi S. D’eutschländer lebte bis zu seinem Lebensende in Püchov. Sein ältester Sohn Nathan bekleidete nach seinen Hinscbeiden ganz kurze Zeit diese Rabbinerstelle, folgte dann aber feinem Rufe seines Lehrers R. Esriel Hildesheimer s. z. nach Berlin, wo er das Schulwerk der ,,Adass Jisroel“ begründete und als Rabbiner in dem Synagogenverein „Ahawas Reim“ wirkte. 13