Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 7-8 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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exotische Blume empor. Im zartesten Alter versteht er schon, sich für die hebräischen Verse seines Vaters zu begeistern und strebt ihm zu gleichen. Aber ein hartes Schicksal zwang Vater und Sohn, Pegasus ins Joch der Arbeit zu span nen. Isaak Stern wurde das Opfer des allgemeinen wirtschaftlichen Niederganges und mußte die Stelle eines hebräischen Lehrers an der Primärschule annehmen. Der junge Emanuel Stern fühlte sich mächtig von dem erhabenen Geiste des Rabbis angezogen und rang leidenschaftlich nach seelischer Vollkommenheit durch rastlose Erforschung der Gotteslehre und asketische Übungen. Um Mitternacht rezitierte er, auf dem Fußboden sitzend, die alten hebräischen Klagelieder um den Untergang Jerusalems, doch auch während des Tagfes trug er Sack unter dem Hemde. Prüfung über Prüfung! Des Vaters Augenlicht begann zu verdunkeln, wie einst des Erzvaters Isaak. Im Alter von 12 Jahren musste der junge, aber hochgelehrte Mendel seinen Vater in der Schule substituieren, im Alter von 14 Jahren, da sein Vater fast völlig erblindet war, trat er die Stelle des hebräischen Lehrers an der Primärschule an, die er bis zum Tode seines Vaters im Jahre 1833 bekleidet hat. Auf den zarten Schultern des Jünglings ruhte die Last der Erhaltung des Vaterhauses. Bis in die späte Nacht hinein eilt er noch von Haus zu Haus Lektionen in hebräischer Grammatik zu erteilen, darunter auch den Söhnen des Chatam Sofers. Das Wunderkind galt im Ghetto , nicht als Wunder; es war eher Regel als Ausnahme. John Bernard Bettelheim vermag im Alter von 9 Jahren artige hebräische, deutsche und französische Verslein zu schmieden. Leopold (Juda Leb) Dukes, der teuere Jugendfreund Sterns, erfährt schon im Alter von 12 Jahren die Freude, sein hebräisches Gedicht in dem vornehmen literarischen Sammelwerke „Bikkure haitim” veröffentlicht und gepriesen zu sehen. Die deutsche Muse wird da kaum weniger verehrt als die hebräische. Lessing und Schiller sind Hausgötzen der gebildeteren jüdischen Familien. Der epigrammatische Witz Lessings, das erhabene Pathos Schillers widerspiegeln sich in allen Schöpfungen der Poeten des Ghettos. Ein Liebling des Ghettos ist noch Kotze bue, dessen über Rassen- und Religionsvorurteile erhabene Lebensanschauung, seine der Dialektik des Ghettos gleichkommenden witzigen Dialoge, seine reine Menschenliebe predigenden Aphorismen nicht genug genossen werden konnten. Später gesellte sich Eivig« -tlbriif- Erst! I n ge, «. S. «rer«. «»$ Vr«sr»rg. Ex Hu*eo HttnfcMicO 6