Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 5-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Nekrologe Regierungsrat ßibliotheksdirektor Dr. Bernhard Wachsein,Wien. Der grosse Meister hat uns auf imn.ei verlassen. Das allwissende Orakel im grossen Tempelgebäude in Wien, von Nah und Fern befragt, antwortet nicht mehr! Welch ein Verlust! Welch ein Verlust! Wohl hat er uns ein reiches geistiges Erbe hinterlassen, aber wir erwarteten noch so viel von ihm! Hat er sein Ende nahen gefühlt, dass er im Vorjahre in der von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde herausgegebenen Bibliographie seiner Werke, Inventar gemacht hat? 146 kleinere und grössere Werke bilden die Bilanz seines Erdenwallens. Manche darunter zählen zu den Standard works der jüdischen Wissenschaft. Auch Pressbürg hat dankbar seinen Manen zu huldigen. Dieser wahre Zophi;at Paneah hat manchen Schitz aus der Vergangenheitsgeschichte der Kehilla hamaatira für uns gehoben, besonders, in seinem Monumentalwerk: „Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien 1712/17”, „Die jüdischen Bewohner Pressburgs im Jahre 1736 (1914 und 932), ferner „Die Grabschriften des alten Friedhofes in Eisenstadt”, „Die hebräische Publizistik in Wien 1930”, „Pressburger Briefe eines Rabbinatskandidaten 1933”, abgesehen von manchen Daten in anderen Schriften. Wohl ihm, dass er die würdige Gemeinde gefunden hat, die voll Verständnis für seine Bedeutung, ihm ermöglicht hat, aus Vollem zu schaffen. „Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder, Issachar der Gelehrte und Sebulun, der Mäcenas für einander leben!” Auch Sandor Wolf, Salo Cohn u. A. haben ihren Namen tür immer mit dem seinigen verbunden. Eine jahrzehntelange Freundschaft verband uns mit ihm; die „Judaica” aber verliert einen grossen Freund noch eh’ sie ihn besitzen konnte. Wer ahnte, dass das Erste, das wir von Wachstein bringen würden, sein Nekrolog sein wird! Sein Geist wird über das Grab hinaus wirken. Sein grosser Nachlass würd aucn uns noch Grosse aus dem Jenseits bringen. Nicht ein einzelner Grabstein wird von seinem grossen Leben zeugen, „sein Haupt ruht auf allen Steinen des Ortes”, wrie Jakobs Haupt auf den Steinen von Beth-El. Ein Friedensfreund und Soziolog. Ein von ungünstigen, schweren Leiden verhängenden Verhältnissen seit fahren heimgesuchrer Menschenfreund und Soziologe, Adolf Stern ist unlängst für immer aus der Welt der Lebenden geschieden. Ich, als Pazifist und Soziolog, will hier in Kurzem darauf hinweisen, was er für das allgemeine Wohl geleistet und wie er sich gemüht hat, dort, wo er es vei mochte, hilfreich zu sein und Probleme der Verbrüderung der Menschen zu lösen, oder ihrer Verwirklichung näher zu bringen. Dies war sein eigentliches Lebensziel und er hat auf diesem Gebiete menschlichen Wirkens wahrhaft Tüchtiges und viel Gutes geschaffen Er war ein treuer Sohn der israelitischen Nation und sympatisierte Gerechtigkeit suchend, mit den edlen Ideen und Bestrebungen der Propheten. Menschlichkeit! Darnach hat er getrachtet und in seiner literarischen Arbeiten und Werken war dies der bezeichnende Faden, der sich durch Alles zog. Paneuropa und der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit waren seine Ideale. Er dachte vor Allem durch die Hydrotechnik und das Trachten der grossen europäischen Nationen nach Intensivierung ihres Verkehrs und Forcierung ihrer Industrie und Erweiterung ihrer Kommunikationen Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. Er hat hierüber im Jahre 1933 ein wertvolles Werk verfasst und veröffentlicht: „Lösung des Arbeitslosenproblems'’ welches 38