Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 5-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Hofrat Samuel Stern Die. Ära Samuel Stern bedeutet schon jetzt eine hohe Stufe der Entwicklung in der Geschichte der Budapester großem Ger meinde, umso achtenswerter, als diese Enwicklung in dem bösen Jahrfünft des wirtschaftlichen Debacles, der Ungunst politischer Verhältnisse und religiösen Krise möglich geworden war. Diese Ära hat sich nicht bloß durch großartige Bauten, ein bleibendes Djenkmal gesetzt, sondern durch die festgefügte Organisation des Riesen apparates der Gemeinde, die deren Bestand für die spätesten Zeiten sichert. Was den persönlichen Erfolg der Karriere Samuel Sterns ausgemacht hat, seine hohe; Organisationsgabe, der große Zug und Unternehmungsgeist wirkt sich sehr ersprießlich in der Gemeinde aus, wobei er in der Person des Generalsekretärs Alexander Eppfer die wertvollste Unterstützung hat. Auch seine Tätigkeit als Landespräsident wird denk»- würdig bl'eiben durch die notwendig gewordene Schaffung einer neuen Verfassung der isr. Landesorganisation, welche bei dem demnächst stattfindenden Kongreß beschlossen werden wird. Dieser Landeskongreß der Neologen, der erste seit dem Jahre 1869 wird mit der im Gesetze vorgesehenem Genehmigung des Staatsoberhauptes und der Regierungschefs einbjqrufien. Die neue Verfassung trägt den durch den Friedensvertrag geschaffenen Veränderung Rechnung, wird den Rabbinern einen höheren Einfluß gewähren. Obzwar sich der Kongreß formell als die Vertretung des gesamten Judentumes Ungarns darstellt, erstneckt sich die Verfassung nur auf das neologe Judentum. So wird auch die Landesorganisation israielit. Gemeinden eine festgefügtere lebensfähigere Körperschaft darstellen, als sie bisher gewesen ist. Der I. Kongress im autonom-jüdischen Territorium Biro-Bidschan Am 18. Dezember e.röffnete Prof. Lieberberg prov. Präsident des V ollzug saus Schusses von Biro Bidschan im Theater - saale vor 323 Delegierten, 160 Juden, 124 Russen, 11 Koreaner, 5 Chinesen und 23 andere Nationale in jiddischer Sprache den I. Kongreß. Der Kongreß dauerte bis zum 21. Dezember. In den Vollzugsausschuß wurden gewählt: Prof. Lieberberg zum Vorsitzenden und Vertreter im All-Union Kongreß, Chawkin zum Vertreter im A. U. K. und zum Mitglied des Nationalrates. Einfe Truppenabtei 1 ung der roten Armee war von fernen Osten gekommen und der Kommandant, ein Nichtjude, begrüßte in jiddischer Sprache den Kongreß. Skiläufer der Roten Armee wailen 350 Kilometer weither gekommen und stellten in allen Dörfern, die sie passierten, die Bedeutung des Kongresses dar. Man sprach die Hoffnung aus, daß der Termin zur Errichtung 'einer jüdischen Republik, die von Kalinin in 10 Jahren in Aussicht gestellt wurde, verkürzt werden wird. Man berichtete über die Arbeiten in den Goldminen, Landwirtschaft usw. 37