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Judaica · 1935-01-01 · 5-6 (Januar 1935) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
5-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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i6. August iSe>6. Vergangenen Montag, ein Choleraanfall der fast 20 Stunden währte und so entsetzliche Schmerzen bereitete, dass ich mich wundere, nicht grau geworden zu sein. Seit diesem Tage, also fast eine Woche, habe icft nichts mehr als zusammen K Pfund fester und etwa zwei .Pfund flüssiger Nahrung zu mir genommen. Mein ganzer Organismus ist herabgekommen und zu Tode erschöpft. Wie mein Körper zum Schatten abgemagert ist, so ist auch mein Verstand abgemagert. Wer wehs. wie viele Monate nötig sein werden, mich geistig wieder zu erholen. Jetzt, wenn jemals, ist mir ein empfangener Brief ein freudiges Ereignis; da ich selbst nicht denken kann, freue ich mich kindisch, zu sehen, wie andere denken . . Denken Sie doch viel, bester Freund, liebstes Kisschen und schreiben Sie mir das Gedachte auf. Sie wissen nicht wie mich in meinem elenden Zustand freut, von Jemandem, den ich; lieb habe, etwas zu lesen... Schreiben Sie. . möglich umgehend. Sie wissen ja, was für Mizwa bei den Juden rnewaker-chole Sein Et und ihr Brief thut mehr als mewaker-chole-Sein. Gott im Himmel’ Ist das ein Lärm im Zimmer! Es ist 3 Uhr, um 4 Uhr findet die Trauung meiner Schwester irr alten Tempel statt Alles ist in Aufruhr, die Mutter schreit, Lotte schreit, die Braut Netci schreit die Friseurin schreit . . . mein armer Kopf ist ohnehin verrückt, nein, ich kann nicht mehr. Ihr selbst im Leiden gleicher Freund Max Nord au Aus dieser Stimmung entspringt das Winterlied, daß er im Briefe an Josef Kiss mitteilt. Ich sitz in dämmernder Stube und draussen rieselt der Schnee, doch tief im Herzen drinnen, da ist mir gar so weil. Es hüllt die Schneedecke die Erd in ihrer Ruh. do-.h häufet I,ast auf Lasten der Winter noch immer dazu. Und huteres, bitteres Leinen zermalmt mir schier das Herz, doch wälzt das Schicksal darüber, noch immer neuen Schmerz. Aus meinen Augen brechen und rieseln die. Thränen jah, ver meinem Fenster traurig hernieder rieselt der Schnee. Als Erwiderung auf das ihm gewidmete Gedicht seinem Freundies „Barätaimihoz“ („An meine; Freunde“) antwortet Nordau mit 'einer didaktischen Epistel, doch bittet er seinen Freund, diese „Improvisation ohne Werth“ um Gotteswillen Niemandem zu zeigen. Für uns bedeutet diese Dichtung jedoch in mehrfacher Hinsicht ein kostbares Vermächtnis. Aber endlich bricht die Sonne; durch die Wolken. Seine Konstitution überwindet alle Krankheiten. Er findet bei Fuchs in Räkos-Keresiztur einen idealen Posten. Aber selbst die kleine Entfernung vom Eltern hause dünkt dem zärtlich Liebenden eine sdhmlerzliche Entbehrung, zumal er von der steten Angst ge-

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