Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 5-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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ünßs Orthodoxen ,an die Oberwelt“ drucken ließ und das für die reifere; weibliche Jugend verfaßte ״Blumienkörbchen“ das seirierzeit von der Kritik hochgepriesjen worden ist. Er schrieb noch ,^e-se-Efemiente“, welches Buch eine zweite Auflage erford'erte, und eine zweibändige Erzählung: ״Der Kosznicer Maggid oder die Polizei de;s Himmels“. In der ״Bohemia“ erschien, stark gekürzt ״Die Kapelle bei Peter war dein“. In den von Neustadt herausgegebenen ״Wiener Blätter“ hat er die Erzählungen ״Die beiden Alexander“ und ,,Chamez als Brautwerber“ publiziert. S'ein Ansehen im Ghetto stieg gewaltig, als die Gemahlin dfes R;eichpalatins, Erzherzogin Maria Dorothea bei ihm Unterrieht in hebräischer Sprache genommen hat Achtzehn Monate hindurch begab sich Horowitz drei Mal wöchentlich zu seiner hochgeborenen Schülerin. Im ״B!eth-El“ von Ignatz Reich wird folgender Brief Maria Dorotheas an Horowitz publiziert: Lieber Horowitz! Sie freundlichst grüssend, schicke ich Ihnen einige Bibel zur Verkeilung unter die unglücklichen taubstummen Israeliten; die grössere ist für den wackeren Lehrer. Ich gedenke Ihrer sehr oft, denn ich setze das Studium der heiligen Sprache fort. Ich studiere jetzt den G e s e n i u s, der קטל a<1s Musterzeitwort anstatt פקד nimmt. Gott mit Ihnen! Ofen, 12. Juni 1847. Marie m. p. Das Temperament Horowitzens war nicht darnach angetan, sich am Schreibtische, oder ,auf dem Katheder auszuleben. Er trat mit bewehrter Hand in die Arena des politischen Lebens, um der Freiheit eine Gasse zu brechen. Im Cafe Hollinger saß der Dreibund Redakteur Adolf Neustadt, Raphael Basch (’der Stiefvater des Prof. Viktor Basch in Paris) und Lazar Horo•־ witz täglich zusammen und spann an dem Wehe,Stuhl des jüdisch'en Geschickes. Ihr Traum von einem freiheitlicheren, gebildeteren Judentume verdichtete sich zur Gründung des ״Casinov'ereines“, dessen Sekretär Horowitz geworden ist, ein mühe- Leiches Ehrenamt, das er mit Hingabe und Geschick verwalte* hat. Di'e ,erste Tat des Casinovereines war die Gründung der isr. Kinderbewahranstalt. Es war mehr als ein philan.tr opisches Werk, die Grundsteinlegung zu einer neuen besseren, freieren Ära. Es war eines der größten Festlichkeiten des Preßburger Judentum.es, als da.s von Hermann Tedesco angekaufte Apponyische Bibliothekshaus der Kinderbewahranstalt übergeben war־ dfen ist. Der berühmte Wiener Kanzelredner Noah Mannheimer hielt die Einweihungsrede., der Großmeister des Tempelgesanges Sulzer versah den künstlerischen Teil. Saphir, obwohl schon längst aus dem Judentume ausgetreten, ließ seinen Geist blitz'en, hohe Herrschaften aus Wien hohen die Weihe des Tages. D,er Oberrabbiner Ketab Sofer aber stand diesem festlich'ern Getriebe: mit düsterem Zorne gegenüber. Es scheint, daß Horowitz nach dem ך. Oktober 1839 erfolgten Tode seines Meisters, des Chatam Sofiers, seinen Fortsöhrittsbestrebungen keinen Zwang mehr angelegt hat und sich 13