Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1935-01-01 · 5-6 (Januar 1935) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
5-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2708078-2708082-2708083--100-2708217
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

vollständig dem linken Hügel der damals noch dnhjedtlichen Gemeinde angeschlossen hat. Doch dürfte er ein von beiden Flügeln gleich geachteter Mittler zwischen Rechts und Links gewesen sein. Der langerträumte Freüieitsmorgren des 1848-er Jahres ist blutrot angebrochen. Am 7. Tage de,s jüdischen Osterfestes, wurde das Juden viertel geplündert, das Tedescosche Stiftungshaus aber völlig ausgeraubt und in Brand gesteckt. Entsetzt standen die Führer der jüdischen Fortschrittsbewegung vor den Trümmern ihres Hauses und ihrer Hoffnungen. Unter den völlig Ausgeplünderten befand sich auch Lazar Horowitz. Er flüchtete mit Neustadt, Basch und Freyer nach Wien, umsomehr als sich auch der orthodoxe Flügel der Gemeinde gegen sie als die Ursache der Judenhetze zornig gewendet hat. Vergebens versuchte Horowitz bei d.e;n Behörden, den Ersatz des erlittenen Schadens zu erreichen. So vertauschte er die Kaisrersfcadt mit Padua, der Stätte jüdischer Wissenschaft, wo er als Erzieher tätig war. In Preß bürg hatten sich die Wellen der Aufregung bald wieder geglättet. Es zog ihn mächtig nach seiner zweiten Heimat, die Ruinen seiner Lieblingsschöpfung wieder zu ierbauen. Seinen Bemühungen bei Tedesco ist es auch zu verdanken, daß wieder neues Leben aus den Ruinen geblüht hat. Im Jahre 1856 werden auch die Statuten des Casmlo Vereines, auf welchen Horowitz a.ls Schriftführer figuriert, wieder von der Regierung genehmigt. Im Jahre 1857 aber verläßt er endgiltig die Stätte, die 50 Jahre seines so taten reichen Lebens umfaßt hat. Er begibt sich - wohl dem Rufe des Protaganistein der Reform, Rabbi Leopold Löw, folgend — nach Szfeged (Szegedin), an dessen berühmte, Zeitschrift „Ben Chan an ja“ er mitgearbfeitet hat. Hier reißt der Faden der Biographie des Lazar Horowitz im „Beth-El“, das um di,esie Zeit zur Ausgabe gelangt ist, ab. Man find'et ihn aber noch als Hauptmiftarheiter des Winterfschen „Illustrierten Isr. Jahrbucheis“ 1859—1860, wo er rnabstt fernsten Erzählungen seine Meisterschaft im Wortwitze spielen läßt. Von Wurzbacher erfahren wir, daß Horowitz im Anfänge der 1870-101’ Jahre im Hause. ,einies vornehmen, einflußreichen Mannes in Pest Erzieher zu zwei Kindern ist. Die letzten Jahre seines Lebens hat er in Wien verbracht. Er Veröffentbcht in der Wiener „Neuzeit“ eine Serie Novellen aus d'em jüdischen Leben, betitelt „Der Talith“, Tefillin“, „Die M'esusa“ usw., die in Wilna in hebräischer Übersetzung (ohne Angabe des eigentlichen Verfassers) erschienen sind. Die letzte Quelle ist das Buch ehr Chewra Kadischa, laut wfelcher Eliasfer Horowitz am Samstag 10 Uhr, den 1. Novemiber des Jahres 1884, Gumpen dorferstraße 6 gastorbien ist, im Alter von 97 Jahren. Da fiel die Jahrhundert alte, starke Eiche, die mit mächtir gfen Wurzeln im Humus der Chatam Soffer-Jeschiba festgeankert 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.