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Judaica · 1935-01-01 · 5-6 (Januar 1935) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
5-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Fürsten Wittgen stein, und nahm, als die; Biehörde dien Juden di'e Anmahmle eines Familiennamens zur Pflicht machte, den NamJen seiner Herrschaft an, was jener ihm derart verübelte, daß er seinen Hoffiaiktor, der sich nun mit den Namen Mostes Meyier Witgenstein präsentierte, mit Stockschlägen empfing, eine väterlich gedachte Züchtigung, dije der patriarchalisch geartete Schloßherr öfter seinen Untertanen angedeihen ließ und die gar nicht deshonorieriend wirkte- Das große Warenhaus M. M. Wittgienstein wurde jäher ein Handelszentrum, das der Stadt Corhach zum Nutzen gereichte, und dessen Blüte umsoweniger Mißgunst erzeugt hat, ials das Haus Wittgensjtein stets in Liehe und Treue an der Vaterstadt gehangen hatte. Der Narrte der Familie ist durch mehrere Stiftungen von Großvater, Vater und Sohn in den Büchern und den Herzen der Stadt eingetragen gewesen. Allerdings mußte Moses Meyer Wittgenstein und sein Schwager Simon Salamon gegen Widerstände kämpfen, als sie anno 1814 um das Bürgerrecht eingekommen sind. Man beschuldigte Beide, mit Napoleon sympathisiert zu haben. Aber ihr Gesuch wurde jehenso günstig beschieden, als dasjenige, das die Befreiung der Corbacher Juden von dem sogenannten Nährgeld (erbat. Die Juden von Corhach besaßen damals keine eigene Synagoge, sondern mieteten ein Stockwerk in demselben Hause, wo das kleine Häuflein Katholiken ebenfalls eine Andachtsstätte gemietet hatte.. Die spottlustigen Corbacher, zum großen Teile gute Protestanten, die in ihrer Muttersprache beteten, machten sich über beide Konfessionen lustig, deren eine im Unverstand^ liehen Latein, die andere im noch unverständlicheren Hebräisch betete. Simison, der Sohn des Mosies,;V) trat die Nachfolgeschaft des Vaters im Geschäfte und in der Leitung der kleinen, aber prosperierenden Gemeinde an. Die Geschäfte des Hauses M% M. Wittgenstein dehnten sich weit über die Ostgrenze Deutsch^ lands aus. Jakob Wittgenstein, die vierte Generation, galt schon als autochthon’er Corbacher Patrizierssohn und als im Jahre 1848 der Frühlingssturm der Freiheit durch die Lande brauste, wählte dfer 8. Wahlkreis, in Würdigung der Verdienste des Haukes Wittgenstein, Jakob zum Abgeordneten und somit zum Mitglied der Landesstände;.3 4) Er gehörte der unter Führung Wirths stehender* demokratischen Partei an. Er war gerne gesehener Gast im exklusiven Zirkel „Bei Schwalenst ocker s ‘‘ und stets wohlgelitten bei allen Mitbürgern. Die folgende Reaktionszeit nötigte ihn, der hohen Politik zu entsagen, und wieder seines Amtes hinter dem Geschäftspulte zu walten. Da ward ihm der Corbacher Wamms zu enge. Mit tiefster Mißmut versah) ler den Beruf de;s Ladenschwengels, eine Mißmut, die fernes Tages mit elementarer Gewalt über eine unschuldige Baue- 3) geb. 8 Dez. 1788, gest 22 März 1853, seine Frau Rebekka Rosenberg geb. 2 Mai 1783, gest. 15 April 1854. 4) Merkwürdiger Weise findet man keinen Bericht über Wittgenstein in der damaligen jüdischen Presse. Die Encyctopaedia Judaica hat keinen Artikel über Corbacher Juden. 5

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