Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 5-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Geschichte der Juden in Waldeck Jakob Wittgenstein Landtagsabgeordneter von Waldeck, geh. 1. April 1819. gest. 1. Juni 1890. Unweit von Frankfurt am Main* der alten Stätte, jüdischer Wissenschaft, liegt abseits und unbeachtet von der jüdischen Geschichtsforschung im Fürstentum^ Waldeck das anmutige; Städtch'en Corbach, dem die vielen Jahrhunderte seiner Geschichte, ihr Gepräge hinterlassien haben und das auch ein Ehrenblatt im Buche. der jüdischen Geschichte beanspruchen darf. Von der unholden Gegenwart hinweg gleitet die; Erinnerung zurück zu jenen Momenten im Leben der Juden Deutschlands, als Deutsche; und Juden, des alten Haders müde, Arm in Arm das Jahrtausend schnöden Glaubenshasses in die Schranken fordern wollten und von einem frohen Zukunftstraume einer schöneren und freieren Ara befangen, mit einander gegen Sonnenaufgang zu wandeln vermeinten. Die Zahl der Juden in Corbach hat zumeist wenig mehr als ein Hundert ausgemacht. Geschichte macht ja niemals die Masse, sondern der eine Führer. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam. Meyer Moses1) nach Corbach. Er hatte früher in Laasphe, der reizenden Sommerfrische: zu Füßen der Burg Wittgenstein gelebt. In dem Kassabuch der jüdischen Gemeinde Laasphe, das einzige Dokument, das ihr geblieben ist und das anderthalb Jahrhunderte lang bis zum heutigen Tage seinen Dienst tut, «erfahren wir, daß Ahron Meyer Moses an der Gründung der Synagoge in Laasphe anno 1765 seinen Anteil hatte und Führer der Gemeinde war. Sie war nummerisch nie bedeutend, man erfährt daher verwundert, daß die Laaspheer Juden, darunter vermutlich auch Ahron Meier (Sohn des) Moses, mit der Mission betraut worden sind, na,ch England zu reisen, um mit Hilfe ihrer dortigen Glaubensgenossen zu erwirken, daß England der Grafschaft Wittgenstein, die aus dem1 siebenjährigen Kriege entstandenen Schulden bezahle. Di?. Mission ist allerdings nicht gelungen. Die Eltern des Meyer Moses sollen in Giershagen begraben sein. Das Haus der Meyer Moses gelangte in Corbach zur hohen Blüte. Sein Sohn Moses Meyer2) wurde Hoffaktor des 1) . gestorben 1805, seine Frau Sara starb 17. Tamus 1821. 2) geb. 1761, gest. 3 Januar 1822, seine Frau*Brendl geb. 1768, gest. 24 Juni 1829. 4