Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Irene Harand in der Tschechoslovakei. David Gross, der feine Federzeichner, widmet in der Bratislavaer „Allgemeinen Jüdischen Zeitung” der berühmten Frau einen lesenswerten Artikel, dessen erster prägnanter Satz hier zitiert sei: Hinter der schlichten anmutsvollen Frau mit dem durchgeistigtem Gesicht und den klugen Augen, aus denen unerschöpfliche Güte leuchtet, steht die Tat und das ist es, was sie so merklich scheidet von ihrem Vorgänger, dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus*. Der Erfolg der „Judaica”. Die sympathische Aufnahme unseres Unternehmens in der Tagespresse bildet eine angenehme Enttäuschung. „Ceske slovo” und „A-Zet” brachten nebst der Besprechung einen Auszug aus dem Jomkippur-Urlaub. Die Pressburger Tageblätter „Grenzbote”, „Neues Pressburger Tagblatt’, besonders aber „Hirado” widmen der ersten Nummer ebenso ausführliche wie anerkennende Besprechungen, ebenso die „Prager Presse”. Der „Pester Lloyd” hebt in einer längeren, freundlichen Recension den Umstand rühmend hervor, dass die Zeitschrift, bei aller wissenschaftlichen Gediegenheit, populär gehalten ist. So weit uns Belege eingesendet worden sind, haben „Zsido Neplap”, „Mult cs Jövö”, „Szombat”, „Kassai Ujsäg” usw. günstige Recension veröffentlicht. Sehr sympathisch berührt die freundliche Haltung der hebräischen theologischen Blätter, wo der Frömmste der Frommen uns den Segen mitgibt: Glück auf! zieh hin für die Sache der Wahrheit. Diese alle nationalen und konfessionellen Schranken durchbrechende Freundschaft liegt in der Tendenz unserer Zeitschrift. Die Orthodoxie zeigt eine rühmenswerte Loyalität einer Zeitschrift gegenüber, in welcher von Herzl und Nordau mit solcher Begeisterung gesprochen wird. Man sieht, das ein Zionismus, der auf unerschütterlicher, von der Thora zementierter Grundlage liegt, keinem Misstrauen in diesen Kreisen begegnet. Deutschland zeigt verhältnismässig das grösste Interesse. Die literarischen Zentralen in Leipzig haben sehr viel zur Verbreitung der „Judaica” in L>eutschland beigetragen. Neu-Rumänien verspricht ein guter Boden zu werden, natürlich auch Ungarn. Das angestrebte Ziel, die Kenntnis der Geschichte des slov. Judentumes zu verbreiten, ist voll erreicht worden. Tausende, die nicht das ieiseste Interesse für die heimatliche Geschichte hatten, sind aufmerksame Leser einer historischen Zeitschrift geworden. Die jüdische Fahne. Die „Neue Freie Presse” schwimmt offenbar durch die Verbindung mit „Times” im Fahrwasser der zionistischen Exekutive. Die Weltweise von der Fichtegasse, die Herzl und Nordau übersah, übertrifft uns alle an zionistischem Optimismus Wir erfahren diese Woche, dass es Schiffe geben wird, die auch die Jüdische Fahne tragen werden. Emil Ludwig hat uns auch jüngst mit dem Satz überrascht: Heutzutage wo es Schiffe mit jüdischen Fahnen gibt. — Randbemerkung: Es gibt keine jüdische Fahne in völkerrechtlicher Geltung. Warum hat der gründliche Ludwig nicht im internationalen Flaggenbuche nachgesehen, ob es tatsächlich eine jüdische Fahne gibt. — Ein Schiff trägt nur eine Fahne. Die andere bedeutet soviel wie die Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt wird. Wir sind nicht gerührt, wenn auch eine jüdische Fahne auf dem Schiffe flattert und besonders erkennen wir keine Konzession darin, wenn neben der offiziellen Fahne noch ein Stück weissblauer Leinwand hängt. Was wir wollen, ist ein politischer klarer Vertrag zwischen Juden, England und den Arabern. Nekrologe Baron Edmund Rothschild. Ein Menschenleben von enormem sittlichem Inhalte, auf den Höhen der Menschheit dahin wallend, gepriesen von Urahne. Grossvater, Vater und Kind, kam nun zum Abschlüsse. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat, jahrzehnte lang vor Balfour, der Baron Zion erbaut. Herzl stand er ferne. Hier sei aber hervorgehoben, was in all den tausend Nekrologen nicht erwähnt sein wird, dass er der Schüler Albert Cohns gewesen ist und nur fortgesetzt hat, was sein Mentor anno 1854 mit der Hilfe James und Bettina P othschilds begonnen hat. Mit dem Namen und den Grosstaten Edmund Rothschilds bleibt auf immer der Name seines Meisters Albert Cohn verschlungen. zu welchem die freiherrlichen Zöglinge mit solcher Verehrung empor geblickt haben. 81