Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Samuel Kahan-Frankl der 5. Präsident der orth. isr. Zentralkanzlei Ungarns Budapest. Die ungarische Orthodoxie steht kraftbewusster und zukunftsfreudiger da als je vorher. „An Statt Deiner Eltern, erstehen Deine Söhne.” Statt der Wenigen der früheren Generation gibt es eine stattliche Reihe jüngerer zur Führung berufener Kräfte, festwurzelnd im Erdreich der Tradition und hochragend an gesellschaftlicher Position und weltmännischer Gewandtheit. Diese Generation gelangt zur Geltung durch den neu ge wählten ä 1 Präsidenten Samuel Kahan-Frankl, der im Alter von 45 Jahren die Leitung der Orthodoxie übernimmt. In M.- Sziget als Spross der alten angesehenen Familie Kahan geboren, ist er doch geistig nach Pressburg zuständig, wo er an der Rabbinatshochschulc diejenige tiefgründige jüdische Gelehrsamkeit erworben hat, die ihn schon auf diese nt Gebiete zum Führer seines Kreises prädestinierte. Er ist uns noch mehr. Er ist ein Spross des Pressburger Oberrabbincr Rabbi Meschullam Igra-Tysmenitz (1793 — 1801) der neben dem Oberrabbiner Jonathan Eibenschütz (Prag-Altona) als das grösste Talmudgenie der Neuzeit gepriesen war. In einem Gespräche mit dem Präses Kahan-Frankl über das Programm der nächsten Zukunft, sagt er, dass für die Orthodoxie das Programm der nächsten Zukunft natürlich identisch sei mit dem Programm der weitesten Vergangenheit. Sein Programm kenne in einem kurzen Satze gegeben verden. Der Rymanover Cha.'- sidim-Rabbi sei das Kind einfacher armer Eltern gewesen und in der frühesten Jugend gar Schneidergeselle. Ah sich der ahnenstolze Ruzener nut ihm verschwägern wollte und nach seinem Stammbaum frug, sagte der Rymanover: Ich bin armer, einfacher Elrern Kind und war Schneidergeselle. AJs solcher merkte ich mir fürs Leben: „Das Alte schön Herrichten und da> Neue nicht verderben.” Der Ruzener lauschte betroffen auf die tiefe Lebensweisheit, die in eien schlichten Worten lag und reichte dem Rvmanover die Hand zum Bunde. „Mein Programm ist dasselbe wie des Schneidergesellen von Rymanov,” sagt der junge Präses lächelnd. Im Hause des orth. Gemeindepräsidenten Abraham v. Freudiger gab es auch einen Aufzug von Gratulanten zum Anlasse dessen Auszeichnung mit dem Titel des Oberregierungsrates. In seiner distinguierten Begrüssungsrede bebt Dr. Desidcr Rakonitz, ein anderer glänzender Vertreter der gebildeten Jung-Orthodoxie den Umstand her cor, dass diese Auszeichnung zum ersten Male als Anerkennung der Verdienste auf dem Gebiete des religiösen Lebens verliehen worden ist. Schon früher und Leopold v. Freudiger und sein Sohn David v. Freudiger zu Oberregierungsraten ernannt worden. Oberhausmitglicd Dr. Samuel Glücksthal — 70 Jahre alt. Der aus der Slowakei stammende Kreis der jüdischen, Gesellschaft in Budapest zeichnet sien durch höhere Kultur, Gemeinsinn und Liebe zum Judentum aus. Zur Illustr 1-- tion dieser anerkannten Tatsache dien: auch die Persönlichkeit und Wirksamkeit Dr. Samuel Glücksthals, der im Jahre 1864 in Tureianskt Sv. Martin geboren ist und sich auf den Schveigen seines Geistes zur gegenwärtigen Position erheben konnte. Er hat in Szeged, Budapest und Wien studiert, eroffnete 1889 in Budapest eine Advokaturskanzlei. Seine hohe juristische Befähigung, seine rednerische Begabung und Organisationskraft rückten ihn bald in das Proscenium des öffentlichen Lebens Budapest, wo er als Auto rität in handelsrechtlichen Fragen zu 29