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Judaica · 1934-10-01 · 3-4 (Oktober 1934) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
3-4 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
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Oberarzt Dr. Samuel Weise 1839-1886 Die Meister der Heilkunde haben im jüdischen Leben einen besonderen Ehrenplatz eingenommen. Sie haben den gleichen Ehrentitel, wie der gefeierte Schriftgelehrte, den Morenu- Titel, erhalten, auch dann, wenn ihnen Bibel und Talmud fremdes Gebiet war. (Der Morenutitel gebührt eigentlich nur dem Doktor der Medizin und in fortschrittlichen Gemeinden auch den Doktoren der Theologie.) Jedoch haben die jüdischen Aerzte des Ghettos zumeist auch bedeutendes rabbinerisches Wissen besessen. Frau Dr. Alexander K o h u t in New-York, die frühere Präsidentin des Weltverbandes jüdischer Frauen, erzählt in ihrem Buche „My portion”, dass in ihrer Familie, in welcher sich die ärztliche Praxis von Geschlecht zu Geschlecht vererbt hat, jeder Arzt auch gründliche rabbinerische Ausbildung erlangt hat. So hat ihr Vater, der aus Fllohovec stammende Dr. Albert Siegfried Bettelheim, der berühmte Rabbiner von Baltimore, auch ärztliche Praxis ausgeübt und seine Ahnen, die in Hlohovec eine Dynastie von Aerzten gebildet hatten, haben sich alle durch ihr hebräisches Wissen hervorgetan. Aerzte haben auch zumeist eine führende Rolle im Gemeindeleben inne gehabt, die dazumal ohne talmudische Bildung garnicht denkbar war. Zu den letzten Ausläufern der talmudbeflissenen Doktoren des Judenviertels zählte der treffliche Arzt und Menschenfreund Dr. Samuel W e i s s, welcher der älteren Generation noch gut und vorteilhaft in Erinnerung stehen wird und wohl verdient ein Ehrenblatt in unserer Chronik gewidmet zu erhalten. — Sein Sohn Herr Bernhard Weiss in Ujpest, teilt uns folgende biographische Daten mit: „Dr. Samuel Weiss war in Komorn im Jahre 1839 geboren und erhielt von seinen strengreligiösen Eltern die entsprechende Erziehung. Nebst dem Unterrichte in der Elementarschule erhielt er sorgfältigen Privatunterricht im Talmud. In Gyor absolvierte er das achtklassige Gymnasium des Benedektinerordens mit Aus Zeichnung. Es war der Herzenswunsch seiner Ehren, ihn zum Rabbiner zu erziehen, er ging daher nach Pressburg, wc er Schüler des gefeierten Thorarneisters Ketaw Sofer (Oberrabbiner Abraham Samuel Benjamin Schreiber) s. A. wurde. Es zog ihn aber unwiderstehlich zur Heilkunst hin. Nach Beendigung seiner Studien an der Wiener Universität, wurde er erster Assistent neben Billroth. Im preussischösterreichischen Kriege im Jahre 1866 war er Oberarzt der Festung in Kornern und erhielt ein kaiserliches Anerkennungsschreiben für seine hervorragenden Dienstleistungen. Nach Wien zurückgekehrt, suchte ihn eine Deputation aus Dunajska Streda (Duna- Szerdahely) auf, mit der Bitte sich in ihrem Orte als praktizierender Arzt niederzulassen. In der strengreligiösen jüdischen Gemeinde erfreute sich der talmudbcflissene Arzt grosser Beliebtheit. Er wurde der Schwiegersohn des angesehenen Gutsbesitzers Bernhard P 0 11 a k. Nach drei Jahren verlegte Dr. Weiss seine Praxis nach Pressburg. Fr wurde da Oberarzt des jüdischen Spitals. Der vielbeschäftigte Arzt fand noch immer Zeit seinen talmudischen Studien nachzuhängen. Die armen Hörer der Jeschiba behandelte er kostenlos. Er gab den notleidenden Patienten noch reichliche Unterstützungen.'1 Dr. Samuel Weiss starb in der Blüte seines Mannesalters, 47 Jahre alt an einem schweren Leiden unter tragischen Umständen. Er hatte an einen Wiener Professor ein Schreiben gerichtet, der Ueberbringer dieses Briefes sei sein Patient, er möge ihn untersuchen, dem Patienten nicht die Wahrheit sagen, sondern den wahren Befund andie 26

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