Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Tode verurteilt und am Jomkippurtage freigelassen wurde. Dort wird der Mann aber Mordecha: Oberbreit genannt. Kompert gebraucht in seinen Erzählungen oft Decknamen und es mag sein, dass Rother eigentlich Oberbreit hiesis. Nach Kompert war er einmal „mit den Gänsen beim Kaiser gewesen”. Da mag Rother wohl Gemeindevorsteher gewesen sein, wenn er nicht etwa als Gemeindebeamter mitgegangen war. Von der Tragödie der neuen Judith spricht Kompert wie von einer historischen Tatsache. Die Szene von den zehn Chewraleuten, die mit einem Totenkleid in das Lager der Verurteilten gingen, von welchen der eine Jude, der andere Nichtjude war, kommt zu dieser Zeit nochmals vor. aber im Lager der Oesterreicher, wo zwei Deserteure hingerichtet werden sollten, jedoch durch Intervention der Gemeinde beide begnadigt wurden. (Chatam Sofer: „Buch der Erinnerungen”.) Ob hier nicht die Erinnerung des Volkes das eine mit dem anderen vertauscht hat? Bei dieser Gelegenheit wurden Salman Bernau und Mendel Lew uw delegiert. Im Falle des Jomkippur- Urlaubes wurde wohl ausnahmsweise Juda Melamed wegen seiner französischen Sprachkenntnis.se entsendet. In unserer letzten Nummer wird erwähnt, dass das Grab Melameds bisher nicht ermittelt werden konnte. Nun teilt Herr Josef Grünsfeld uns mit, dass es gelungen sei, den Grabstein Melameds aufzufinden. Er steht in der linken Reihe neben den alten R abbinergräbern. Die Grabinschrift lautet in deutscher Uebersetzung: Gestorben und begraben am Sonntag, Rosch-Chodesch Nissan 5585. Wanderer! Da Du den Hof der ewigen Ruhe betrittst und auf die Grabstätten des heiligem Stammes Deine Tränen träufelist, o, lass doch von Deinem Antlitze Zähren fliessen auf diese Grabstätte, denn hier liegt begraben ein Frommer, ein Redlicher, ein Weiser. Gross war sein Gut an Thorawissen. Führer und Lehrer war er den Kindern Jeschuruns. Es ist dies der ehrwürdige Greis, einer der Mitglieder der heiligen Brüderschaft, Rabbi Juda Melamed. Sein Andenken sei zum Segen. Der Stein ist, wie viele andere, im Laufe der Zeit gesunken und da hier ausnahmsweise der Name erst zum Schlüsse genannt wird, war der Name jahrzehntelang von Erdreich bedeckt und blieb selbst für seine Familie unerkannt. Die poetische Form der Inschrift weicht eigenartig von den üblichen aus Bibelzitaten zusammengesetzten Epitaphien ab. Herr Josef Grünsfeld hat das grosse Werk unternommen, sämtliche Grabsteine des alten Friedhofes zu kopieren und auch ins Deutsche zu übersetzen. Gleichzeitig werden alle Steine registriert und ein sehr übersichtlicher Plan ausgefertigt. Die Chewra Kadischa lässt in gleicher Weise den neuen Friedhof durch den fachkundigen Herrn Alois Hirschler bearbeiten. So findet das Werk des Rabbi Isak Weiss, Autor des unsterblichen „Abne bet hajozer”, endlich die vollständige Ergänzung. 25