Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2708078-2708079-2708081--068-2708185- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
„Donnerstag, den 31. August reist er um 2 Uhr nachts von Schönbrunn nach Raab, schläft dabei, kommt nach Pressburg, wo er zu Pferd das Schloss, und die Umgebung besichtigt. Er dejeuniert in Kitrsee.” Das Magistratsprotokoll berichtet, dass „Napoleon mittels fliegender Brücke nach Pressburg kam, in Begleitung mehrerer französischer Garden das Schloss besichtigte und nach einer Stunde Rast wieder mittels fliegender Brücke nach Raab und von da nach Schönbrunn reiste.” In seiner Ordre vom 30. August schreibt er darüber: „Machen sie dem General Reynier zu wissen, dass ich eine Tour nach Pressburg mache, dort im Galopp das Schloss zu sehen. Ich wünsche, dass das strengste Inkognito eingehalten werde und dass die Garnison nichts zu merken hat. Ich werde ihm eine Stunde früher Mitteilung machen, er soll gleichsam promenierend nach Kittsee kommen.” Siegmund Mayers bekannte Mitteilung: „Pressburg wird belagert, beschossen, besetzt, Napoleon zieht ein. Eines Tages hebt meine Grossmutter meinen Vater aus dem Bett, zeigt dem fünfjährigen Jungen den auf den Schlossberg reitenden Kaiser, mit den Worten: „Sieh, vor diesem kleinen Manne zittert die ganze Welt”, ist daher nicht historisch, aber beweist, dass die Anwesenheit Napoleons auf dem Schlosse als Tatsache gegolten hat. Mit dem Schicksal des Pressburger Ghettos unter Napoleon beschäftigt sich auch Leopold Kompert in seiner launigen Erzählung „Die neue Judith”. Der kurze Inhalt der Erzählung ist das Schicksal Leb Rothers, der von Bauern auf den Schlachtfeldern liegende Waffen zusammengekauft, und sie nach Ofen geliefert hat. Sein Bundesgenosse war der vielgenannte „lange Christof”, der Besitzer des Kreuzwirtshauses, ein Katholik, der ob seines hebräischen Wissens Reb Christof genannt wurde. Beide wurden von den Franzosen verhaftet und am Sabbath Schuba auf einen Wagen gebunden nach Pressburg gebracht. Christof war voller Humor und rief den aus der Synagoge strömenden Juden zu: „Wie hat Euch die Drösche des Rebben gefallen?” Rother weinte laut. Sie wurden zum Tode verurteilt. Vergebens versuchte der Gemeindevorsteher für sie beim Kommandanten Gnade zu erwirken. (Kompert begeht da den erstaunlichen Anachronismus, den Vorsteher Reb Koppel zu nennen, worunter er Koppel Theben versteht, der schon 1799 gestorben ist.) Chaim Franzos*) wird allgemein verdächtigt, seinen Feind Rother denunziert zu haben und wird geächtet. Seine Braut Blümele begehe daher einen verzweifelten Schritt. Gleich Judith, begibt sie sich nachts zu einem am Barmherzigen-Platz wohnenden französischen General, und opfert ihre weibliche Ehre für das Leben der beiden zu Tode Verurteilten. Zur freudigen Ueberraschung der Gemeinde erscheinen beide Verurteilten am Jomkippur und bleiben auf freiem Fusse. Die Chewra hatte schon zehn Leute ins Gefängnis zu Rother gesendet, die mit ihm die Widuj sagten (Kompert sagt: die Awide). Auch Chatam Sofer berichtet, dass ein Jude Waffen aufgekauft hätte, Spitzname Chaims der Franzosenfreund war. 24