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Judaica · 1934-10-01 · 3-4 (Oktober 1934) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
3-4 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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„Emma! Emma!” rief Mama schmerzlich aus, als könne sie sie noch der Umnachtung entreissen „erkennen Sie mich denn nicht?!” Die Geisteskranke starrte sie mit Augen an, in welchen jeder Glanz erloschen war und schüttelte das ergraute Haupt- Mit diesem schmerzlichen Aufschrei fällt der Vorhang über die letzte Szene der Sophokles-Tragödie im Brüll’schen Hause. Nach Jahrzehnten gab es noch etwas wie einen Epilog. Es war im Frühjahr 1916 in Philadelphia. Da fand die grosse Vorkonferenz für den American Jewish Congress statt. Hier sollten die Postulate festgelegt werden, welche dem kommenden Friedenskonferenz im Namen des jüdischen Volkes vorgelegt werden sollten. Das Sprachrohr der historischen Konferenz war der Reformrabbiner und Politiker Dr. Stephen S. Wise, ein Vertrauensmann des Präsidenten Woodrow Wilson. Die groisse Rede des Stephen Wise war eine Meisterleistung, in welcher er sich selbst übertroffen hat. Nach der Rede trat ich zu ihm hin und gratulierte ihm. Er sprach einiges über Budapest, das seine Geburtsstadt sei. „Wissen Sie, dass ich ein Enkel des Moritz v. Fischer bin?” Ich wusste es nicht. „Meine Mutter lebt noch hier” sagte Dr. Wise. „Wie ist der Vorname Ihrer Frau Mutter?” frug ich ahnungsvoll. „Sabine!” Sabine v. Fischer hat den Sohn des streng orthodoxen Rabbiners in Eger-Erlau, Aron Weiss geheiratet. Als der Rabbi von Eger, der nebst seiner unbeugsamen Orthodoxie auch Anhänger Kossuths war, starb, ging seine fromme Frau nach Palästina, um auf geweihtem Boden zu sterben. Aron Weiss, ein Schüler des Ketab Soiers, Hess sich in Budapest nieder, wo ihm am 17- März 1S74 ein Sohn, Sigmund, mit dem hebr. Namen Jakob Samuel geboren wurde. Im Alter von vier Jahren wurde der kleine Sigmund von seinen Eltern mit nach Amerika geführt, wo er unter dem Namen Stephen S. Wise zu grosser Berühmtheit gelangt ist. Wozu die unselige Begebenheit der Vergessenheit entrissen worden ist, in einer Weise, die vielleicht auf einseitige Darstellung beruht? We-elokim jebakesch et nirdaf! Der Gott' der Geschichte forscht nach den Verfolgten! Die Gegenwart ehrt eher die Verfolger. Aber alles, was unschuldig gelitten hat, erhält einmal, früh oder spät, sein Gedenkblatt in der Geschichte. 14

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