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Judaica · 1934-10-01 · 3-4 (Oktober 1934) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
3-4 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Der Brief wurde nicht befördert. Ihre Briefe wurden förmlich zensuriert und zurückgehalten, wenn sie eine Klage über ihren Zustand enthalten haben. Als aber die sich fortwährend steigernden Aufregungen das unglückliche junge Weib aufs Krankenlager warfen und sie in ihrem Fieber fortwährend nach der Heimat verlangte, blieb nichts übrig, als die Eltern ans Krankenlager zu rufen. Hier erfuhr der gebrochene Vater, aus allen Himmeln gefallen, erst die furchtbare Wahrheit! Wie gerne hätte er den Skandal vermieden! Das Dekorum wahren, das war ja die oberste Aufgabe in der Familie! Emma aber wollte von nichts hören! Weg von hier! Nur nach Hause! So kehrte sie ins Vaterhaus zurück, krank und gebrochen. Sie war aber unnennbar glücklich, wieder liebe, gute Menschen um sich zu sehen, denen sie gut war und die ihr nichts als Freude bereiten wollten. Sie war einem Kerker entflohen. Sie blühte wieder zusehends auf. Es folgten freilich Taee, Wochen, Monate voller Bitternisse. Ihr ganzes Vermögen war in Herend zurückgeblieben. Es war eingeschmelzt worden in die berühmten Kunstwerke von Herend. Es gab unholde Kämpfe ums Heiratsgut. Kämpfe für und gegen die Scheidung! Es scheint, als ob der Mann vor der Scheidung gestorben wäre, denn cs gab noch Komplikationen wegen der Chalizafrage. Endlich war Emma frei! Aber es iag eine nicht zu bannende Schwermut über ihren Geist. Eine Ehe mit einem bescheidenen, einfachen Manne aus guter Familie schien das beste Mittel, um die gute Emma wieder ihres Lebens froh werden zu lassen. In der Tat feierte Emma bald wieder zu na zweiten Mal Hochzeit mit einem biederen, frommen Manne aus einer guten Familie aus der Schütt, der sie auf Händen tragen wollte. Die Schwermut, die sich über den Geist Emmas gelagert hatte, war aber nicht zu bannen. Ihr Zustand verschlimmerte sich in besorgniserregender Weise. Was man sich nicht zu gestehen w^agte, bis es entsetzliche, unabweisbare Tatsache wurde, das Unzulängliche, es ward Ereignis! Emma war wahnsinnig geworden, dem ewigen, unheilbaren Wahnsinn verfallen! Die Unglückliche bezog die Zelle im Irrenhaus in Pressburg, die sie nicht mehr lebend verlassen hat! Der letzte Akt des erschütternden Dramas ist schon Selbsterlebtes. Ignatz Grünwald war längst gestorben, die Kinder wraren nach Wien verzogen. Der Matriarch, die schwergeprüfte aber ungebrochene Frau Betty zog ihnen nach. Vom kinderreichen, lebensfrohem Hause blieb nichts zurück als Emma! Von Zeit zu Zeit besuchte Mama die unglückliche Kousine in ihrer Zelle. Es W’iar doch eine gewisse Art von normaler Konversation möglich, bis das Gesicht der Armen seltsam starr wurde und ihre Augen wild zu rollen begannen. Da winkte die Wärterin hastig zum Verlassen der Zelle. Aber eines Tages kam Mama sehr echauffiert nach Hause. Sie war wieder bei Emma gewesen, aber diesmal hatte sie die Arme verständnislos angestarrt. „Wissen Sie, wer ich bin?'* Sie schüttelte verneinend das Haupt! 13

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