Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der I. Weltkongress der Misrachi in Bratislava, 21.—23. August 1904. Vor dreißig Jahren um diese Zeit stand der Preßburger Ahawat Zion Verein im Mittelpunkte des Interesses der jüdischen Presse, Der Kampf für und gegen die Abhaltung des Misrachi-Kongresses wurde von allen jüdischen Blättern mit Aufmerksamkeit verfolgt Die ungarische Orthodoxie begrüßte den kommenden Kongreß vorerst mit Sympathie. Oberrabbiner Jes|aja Silbersem-Väcz begeisterte sich in seinem Organe „Tel talpijot" soweit für den Misrachiikongneß, ihn eine ,,Atchalta di Geul^ (Anbruch der Erlösung) zu nennen. Aber der Väczer (Waitzner) Rabbi revczierte diesen Artikel, als er vom Oberrabbiner Solo w e i t s c h i k in Brest-Litowsk, von Rabbi Dr. Breuer Frankfurt und Rabbino witsc h-Poltawa die schwersten Vorwürfe wegen seiner Haltung erhielt. Poltawa und Frankfurt waren die zwei großen Kanonen, die unsere Werke bombardierten. „Egyenlöseg“ forderte ein Verbot des Kongressjels seitens der Regierung Die inächste Nummer des „T. T.“ veröffentlichte; nun gar den Protest des Dreigestirnes der extremen Orthodoxie, der Rabbiner von Väcz, Huszt und Hundsdorf s. 1. Man begann die Unterschriften aller Rabbiner Ungarns für diesen Protest zu sammeln. In der Tat hat der größte und wichtigste Teil der Rabbiner den Protest unterfertigt, auch gut zionistisch gesinnte; Rabbiner taten es ,aus Disziplingründen. Von den großen Rabbinern hat blos Rabbi Fuchs- Großwardein, obgleich Antizionist, die Protestbewjegung verurteilt, ebenso de,r orth. Landespräsident Rabbi Lipschitz. Diesem Proteste kam blos die Bedeutung einer Preßkampagne und nicht eines religiösen Verbotes zu. Ein einfaches Verbot des Pressburger Rabbinat* hätte, ja genügt, die Abhaltung des Kongresses in Preßburg unmöglich zu machen, ja sogar ein einfacher Brief des Oberrabbiners oder des Präsidenten der Landesfcanzlei. Die Rabbiner selbst waren entschieden gegen die Erlassung eines „Issur“. Die Sympathie der ganzen Öffentlichkeit war an unserer Seite. Die Preßburger Judenschaft empfing die Delegierten mit traditionellen Gastfreundschaft. Der Kongreß gestaltete sich zu einer der schönsten Kundgebungen der Liebe zur Thora und Erez Israel. Über den Verlauf des Kongresses findet man in der Preßburger Tagespresse und den meisten jüdischen Zeitschriften ausreichende Informationen. (Das offizielle Protokoll befindet sich noch im Stenogramm bei dem damaligen Schriftführer Dr. S. Steiner und sollte der Universitätsbibliothek in Jerusalem übersendet werden.) Hier seien nur einige Bemerkungen zum besseren Verständnis der eigentlichen Bestimmung des Kongresses und des Misrachi gegeben. Misrachi war nicht als Schule für Maschgichim gedacht, die vom Fabriksbau- und Betrieb nichts verstehen, son- 15