Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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So wurde zur freudigen Sensation der guten, frommen Bewohnerschaft der Judengasse, die an dem BrülPschen Hause mit dynastischer Treue hing, die Verlobung gefeiert. Emma schwamm in Seligkeit. Die armen Näherinnen der Gasse, in ihrer Mitte die glückliche Braut, stickten Tag und Nacht mit grosser Andacht die fünfzackige Adelskrone in die herrliche Ausstattung. Der junge v. Fischer kam bald auf Brautbesuch wieder und brachte der glückstrahlenden Emma ein Paar Ohrgehänge aus — Herender Porzellan, diese berühmten Kunstwerke, nach denen der König von England verlangte. Praktischere Mitglieder der Familie aber waren höchst unzufrieden und gar ernstlich über die offenbar schlechten Vermögensverhältnisse des Hauses Fischer besorgt. Emma aber war die glücklichste Braut und nicht lange nachher auch Ehefrau. Nun ging die Reise von Pressburg, dem grossen, glänzenden Kreise der Familie, der treuen, zärtlichen Brüder, der guten Tanten, Onkel, Kousins und Kousinen in die Herender Einsamkeit, vom Warmhause übertriebener Zärtlichkeit in den kalten Pusztenwind. Hier paarte sich das Zarte, das Allzuzarte, mit dem Harten und es gab keinen guten Klang! Ich habe nur die Klage und nicht die Verteidigung gehört. Wer weiss, ob die arme Emma nicht zu exaltiert, keines gerechten Urteils fähig gewesen ist, ob sie nicht von jeher den Keim zu dem furchtbaren Unheil, dass sie befallen hat, in sich trug? Wie immer, muss sie vom ersten Momente an innerlich schwer gelitten haben. Die Fischers waren aus hartem Holze geschnitzt, die Männer, wie die Frauen. Emma fand auch in ihrer Schwägerin, Fräulein Sabine v. Fischer, nicht die teuere Freundin, von weicher sie in dem Glücksrausche ihrer Brautzeit geträumt hatte. Viel Liebe und viel Glück hätte die Einöde von Herend der Verwöhnten bieten müssen, um ihr Ersatz füir das wunderschöne gesellschaftliche und religiöse Leben Pressburgs zu bieten, auf welches sie von dem einsamen Gehöfte von Herend wie auf ein verlorenes Paradies sehnsuchtsvoll zurückgeblickt hat. Auch dieser Ersatz wiar ihr versagt. Je mehr sie ihr Unglück verriet oder äusserte, umso tiefer war die Erbitterung auf der anderen Seite. Dabei war die Lebensweise in Herend recht ärmlich im Vergleiche zum Vaterhause. Weit entfernt davon, den gewohnten Wetteifer an Aufmerksamkeiten und Liebenswürdigkeiten vorzufinden, gab es erschreckend unfreundliche Worte und Handlungen, wie sie die unglückliche Emma niemals geahnt hatte. Anfangs presste sie ihren Schmerz in ihr Herz zurück und schrieb den teueren Eltern lange Briefe, in denen sie Glück heuchelte, wähnend sie die feuchten Augen mit dem Taschentuche mit der Adelskrone trocknete. Als ihr Leid zu übermächtig wurde, fasste sie in schlaflosen Nächten endlich den bitteren Entschluss, die traurige Wahrheit über ihre Lage nicht länger zu verschweigen und so richtete sie, das mit der Adelskrone geschmückte Taschentuch mit heissen Tränen netzend, einen Brief nach Pressburg, worin sie um Hilfe rief! 12