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Judaica · 1934-10-01 · 3-4 (Oktober 1934) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
3-4 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Glaubenstreue gingen gerade um diese Zeit jedes seinen anderen Weg. Jahr um Jahr war verronnen. Emma, das teuere Kind, bewohnte noch immer ihre Kemenate im zweiten Stocke im Brüllschen Klause (Judengasse 28 ». „Warten” lautete einmal spater das berühmte Wor: Nordaus „ist ein Kummer aber keine Schande”. In diesem Falle war es beides.*) Da kam die erlösende Kunde: Ein Adeliger, ein orthodox - jüdischer Adeliger wirbt um die Hand Emmas. (So hörte ich in meinen Kinderjahren aus dem Munde unserer schönen Mama, wenn sie mit ihrem lebhaftem Geberdenspiele und ihrer eindrucksvollen Erzählungs weise ihren Freundinnen die ergreifende Geschichte der armen Emma mitgeteilt hat.) Der adelige Freier war der Sohn des weltberühmten Schöpfers der ungarischen Porzellanmanufaktur Moritz v. Fischer, dessen Nobilitierung umsomehr den Stolz des rechtgläubigen Flügels des ungarischen Judentumes bildete, als Moritz v. Fischer eine Führerrolle im Kampfe der Orthodoxie gegen die mächtig aufkommende, übermütige Assimilationspartei inne hatte. Wohl stiegen schwere Bedenken gegen diese Verbindung mit dem adeligen Hause Fischer de Farkashäzy auf, das in Bankkreisen viel geringer akkreditiert war, als bei den kunstliebenden Herrschern Europas, in deren Sammlungen die Kunstschöpfungen der Herender Porzellanfabrik nicht fehlen durften. Aber Emma, die arme Emma, langte leidenschaftlich nach der ungeahnten Gunst des Schicksals, das sie für die leidvolle Wartezeit doppelt zu entschädigen schien. Der Vollständigkeit halber sei verraten, dass den schönen, geistvollen, eleganten Mädchen der Familie bedeutet wurde, sich bei der Brautschau nicht sehen zu lassen, um die gute, liebe Emma doch nicht in den Schatten zu stellen. :') Unter dem Striche mag das schnöde Witzwort des Kalman Pappenheim junior fixiert werden, der selbst am Kolnidreabend noch zynisch genug v/ar, seinem Kousin Bettelheim zuzuflüstern: Weisst Du, welches Gebet Onkel Grünwild am andächtigsten hersagt? Koli schma uree d’ Emma. (Erhöre meine Stimme und sieh meine Träne.) Emma Grünwald 11

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