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Judaica · 1934-10-01 · 3-4 (Oktober 1934) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
3-4 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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schliesskch die Orthodoxie in Ungarn, die sich Herzl angeschlossen hat. rührende orthodoxe Rabbiner, wie Rabbi M. A. Roth, Rabbi M. S. Glasner, traten an die Spitze des Zionismus, wirkten als Delegierte und Mitglieder des grossen Aktionskomitees. Orthodoxe Gemeinden traten dem Nacionalfonds als Mitglieder bei und die engste Familie des Präsidenten beteiligte sich in hervorragender Weise an der zionistischen Arbeit. Diese Entwicklung brach mit dem Tode des Rabbi Lipschitz jäh ab. Wenn auch an grossen Aktionen arm, erscheint aus der Zeitenferne die Aera Lipschitz, wie das Schlusstableau der grossen Gaonimzeit Ungarns. Vierzig grosse Jeschibot blühten, die ihre Zöglinge als Führer der Orthodoxie in die ganze Welt hinaus gesendet haben. Die Autorität der orthodoxen Rabbiner in ihrer Gemeinde und im Staatsleben stand auf ihrer Höhe. Politisch, wirtschaftlich und religiös befand sich das ungarische Judentum wohler als früher und später. Die Orthodoxie war noch nicht ganz politisiert, barg noch reiche Erzlager an Idealismus und Opferfähigkeit. Bei weit tieferer Thorakenntnis und Thoratreue herrschte damals noch ein liberalerer Geist. An der Spitze der Gemeinden gab es bedeutende Führergestalten von weltlicher und jüdischer Bildung, und das Kapitel der Aera Lipschitz endet, wie die Geschichte jener Richter in der Bibel, mit dem Schlussworte: ,>In seinen Zeiten war Friede im Lande.'’ Um eine Adelskrone Emma Griinwald, die tragische Heldin der nachfolgenden dramatischen Begebenheit aus dem Leben der jüdischen Gesellschaft Alt-Pressburgs, war die Tochter des Grosskaufmannes Ignatz Griinw,ald und seiner Frau Barbara oder Betty, Tochter des wohlberühmten Gemeindeführers Wolf Pappenheim (gestorben 1848). Dieser Ehe entsprossen sieben Söhne und zwei Töchter, sieben besterzogene, traditionstreue, liebenswürdige Söhne, tüchtige Kaufleutse: Adolf, Kalman, Moritz, Heinrich, Siegfried, Hermann, Sändor. Sie haben zur richtigen Zeit den Schauplatz ihres Geschäftes nach Wien verlegt, aber . . . „Sie hatten gehabt kein Glück und kein Stern”. Die beiden Schwestern, aufs sorgfältigste erzogen, wohlgefällig vor Gott und vor Menschen waren: Veronika, die den Tod Rahels gestorben ist und ihr Leben für das ihres neugeborenen Kindes lassen musste, und endlich Emma, die arme Emma! In dem Bouquet der vielen Tugenden der verhätschelten Patrizierstochter Emma Grünwald fehlte die Rose der Schönheit, die allerdings reichlich durch ihr liebenswürdiges, vornehmes Wesen ersetzt wurde. Es meldeten sich ja Freier im LTeberfluss, aber es war dazumal so ausserordentlich schwer, die richtige Wahl zu treffen. Ein Mann von bester Familie, Bildung, wahrhaft religiös zugleich und an Gütern gesegnet sollte er sein. Reichtum, Bildung und 10

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