Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Macht, die nicht nur Ehre, Stärke und Wohlfahrt dem eigenen Judentume im Lande verbürgen, sondern auch schützende Flügel über weniger glückliche Brüder in anderen Ländern ausbreiten konnte. Kein Anderer war dazu prädistiniert, diese ausserordentlichen Möglichkeiten von latenter Kraft in Energie zu verwandeln, das gesetzestreue Judentum nach Aussen hin würdig zu repräsentieren und bei verständnisvoller Berücksichtigung aller traditionellen Notwendigkeiten, eine Renaissance der Orthodoxie in Ungarn herbeizuführen, wie Rabbi A. L. Lipschitz. Als Talmudgelehrter hatte er im Lande nicht seines Gleichen, Er hatte eine zeitlang in Russland gelebt, brachte von dort die tiefschürfende Weise russischer Talmudschulen mit und zeichnete sich auch durch die bessere Kenntnis des Neuhebräischen aus, das in seinem zeitweiligen Heime, in Warschau, seine Blütezeit feierte. In Rabbinerkreisen genoss er auch Achtung als Spross der grössten Rabbinerdynastien Ungarns und Russlands. Seine materielle Unabhängigkeit, sein weltmännischer Schliff, seine weltliche Bildung, erwarben ihm ein fürstliches Ansehen im Umkreise seines Rabbinates in Szanto. Er führte nicht nur mit Rabbinern eine weitausgebreitete Korrespondenz von „Schaalot Teschubot”, sondern stand auch mit Renan, Ebers, Delitzsch und anderen Gelehrten in Briefwechsel. Sein lauterer Charakter und die selbstlose Hingabe für das Judentum vollendeten das ideale Bild eines wahren, grossen Führers in Israel. Mit grossen Erwartungen begrüsste besonders die orthodoxe Intelligenz die Wahl des Rabbiner Lipschitz als Präsident der 600.000 Seelen zählenden Landesorganisaticn. Schon als junger Mann hatte sich P^abbi Lipschitz Lorbeeren im Kampfe um die Selbständigkeit der Orthodoxie erworben. In den Jahren 1868 bis 1871, als der historische Kampf der Orthodoxie gegen die Assimilation tobte, leistete der geniale federgewandte junge Gelehrte der guten Sache grosse Dienste. Er ist im Jahre 1840 als der Sohn des Mader, später Szäntoer Rabbi Isak Natan Lipschitz und Enkel des „Schaare Thora” geboren. Nach dessen Tod wurde er sein Nachfolger in Szanto, dem Sitze seines Urgrossvaters des Rabbi Schemen-Rokeach. Er nahm regen Anteil an allen Bewegungen des Weltjudentumes. Die Verfolgungen der russischen Juden in den Achtziger Jahren spornten ihn zu einer intensiven Tätigkeit zu Gunsten der Auswanderer an. Während des Tisza-Eszlärer-Ritualmordprozesses sammelte er Gutachten der grössten christlichen Talmudgelehrten, die er ln einem Buche herausgegeben hat. Sotrat er an die Spitze der Orthodoxie, als bewährter Führer von grossem Rufe, beseelt von einem starken Willen, die ungarische Orthodoxie auf die Höhe ihrer Aufgabe zu erheben. Wie keiner hat er das traditionelle Judentum in. Ungarn nach aussen hin würdig vertreten. Er genoss eine ausserordentliche, aufrichtige Hochachtung bei den Staatsbehörden, Bemerkenswert ist das Aufflammen des Zionismus innerhalb der Orthodoxie seiner Zeit. In den ersten Jahren war es aus- 9