Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Er hat die Strassenbahn und die Inselbrücke projektiert und jahrelang das Amt des zweiten Richters bekleidet. Eine gewaltige F'abrikstadt, eine Schiffswerfte, der Donauhafen breitet sich auf der Stelle aus, wo einst das einsame Haus Isak Löwys gestanden ist. Das Unternehmen führt gegenwärtig den Namen David Löwys Söhne und wird von dem Mitgliede der Familie Ingenieur Otto Bettelheim, dem Sohne des bekannten Wiener Philantropen und Gemeindeführer weil. Gottlieb Bettelheim geleitet. Im nächsten Jahre wird die Stadt Ujpest wohl die Jahrhundertfeier ihrer Gründung festlich begehen. Da klingt wohl wiederholt das Lied vom braven Manne, dessen Freiheits- und Menschenliebe den Grundstein zu diesem gewaltigen Industriezentrum gelegt hat. Das Schaffen und Bauen mag er im Vaterhause und in der Schule des Lebens erlernt haben. Die scharfe Prägung seines Charakters, das edle Patriarchen wesen aber stammt aus den berühmten geistigen Münzstätten von Pressburg und Trebitsch. Oberrabbiner A. L. Lipschitz s. A. Am 16. Cheschwan werden es 30 Jahre, seitdem Rabbi A. L. L i ps c h i t z, der Präsident der orthodoxen Landesorganisation, einer der hervorragendsten Führergestalten des ungarischen Judentums, seine Augen für immer geschlossen hat. Kriegsjahre zählen doppelt und es scheint dem rückschauenden Blicke des Chronisten, als ob die Aera Lipschitz mit vielen Jahrzehnten zurückläge. Mit der Erinnerung an diese brillante Persönlichkeit verbindet sich das Bild des grossen Kreises wahrer Gaonim von patriarchalischer Würde, ein Tableau der letzten Ausläufer der Acharonim. In der damaligen Assifot umgab noch ein Kranz wahrer Gedolim, den Führer: Rabbi Schewet-Sopher-Pressburg, B.abbi Koppel Reich - Budapest, Rabbi Lazar Löw - Ungvär, Rabbi Moses Griinwald-Huszt, der alte Hunsdorfer Raw Samuel Rosenberg, Rabbi Hirsch Schapira-Munkacs, Pvabbi Teitelbaum- Sziget, Rabbi Moses M. Glasner-Klausenburg, Rabbi Friedmann, D. Kreuz, Rabbi Moses Katz-Neutra, Rabbi Duschinskv-Galänta, Rabb/i Blum-Uifalu, die Paneths, die Jungreis, die Sophers, welch reicher Himmel, Stern an Stern! Ein wolkenloser, heiterer Himmel wölbte sich über dem ungarischen Judentume, die Sonne des Liberalismus stand im Zenite. Das orthodoxe Judentum, in seiner geschlossenen politischen Haltung bildete eine bedeutende Macht, 8