Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Ignatz W. Bak unwürdig sei, einen Rabbinerposten zu bekleiden. Bak wies alle Beschuldigungen als das Werk rachelustiger, fanatischer Verleumder zurück, er musste aber gehen. Es war seines Bleibens in Ungarn nicht mehr. In Böhmen fand er leicht ein neues Feld der Betätigung als Seelsorger. (Der Name der böhmischen Gemeinde, wo Bak als Rabbiner wirkte, dürfte Posteiberg sein.) Eine kurze Zeit glücklichen literarischen Schaffens richtete ihn wieder auf. Die von ihm herausgegebenen „Trauungsreden” und „Zehn Gebote” (Nagyvärad 1857) erwarben ihm neue Sympathien. Adolf Jellinek nimmt sich seiner eifrig an. Auf seine Empfehlung wird er nach Wien-Margarethen zur Probepredigt berufen und erobert sich alle Herzen im Sturm. Er übersetzt Teile des Schulchan-Aruch ins Deutsche und erregt Bewunderung mit seiner hebräischen Uebersetzung des „Reinecke Fuchs5’. Sein Ruf als Gelehrter dringt über den Ocean. Das berühmte Cincinnatier jüdische Institut bietet ihm eine Professur an. Es kommt das Unglücksjahr 1873. Wo es ein Unglück gibt, trifft es den vorn Schicksal grausam verfolgten Dr. Bak am härtesten. Er verliert sein Weib und drei Kinder, als der Würgengel Cholera die fröhliche Phäakenstadt Wien in Schrecken und Angst versetzt hat. Des Schicksals tröstende Hand scheint ihn auf richten zu wollen. Er erhält die ehrende Berufung als Seelsorger der neugebildeten. Fortschrittsgemeinde in Pressburg, die Stätte seiner Lehrjahre! Er hat offenbar in dem Wahne gelebt, dass es ihm gelingen würde, die ihm anvertraute Gemeinde auf Kosten der Orthodoxie, von deren Lebensfähigkeit er eine gar geringe Meinung hatte, zur führenden Gemeinde zu gestalten. Er gründete da im Jahr 1874 die unglückselige Zeitschrift „Der Beobachter für jüdische Interessen”, in welcher er einen rücksichtslosen und trotz aller Bildung und allen Geistreichtumes, die sich darin aussern, rohen und brutalen Kampf gegen die orthodoxe Gemeinde führt. Es war eine Waffe, die sich in seiner Hand entlud! Er schüttet auf den orthodoxen Oberrabbiner, den Enkel seines grossen Meisters, die Lauge des Spottes, er karrikiert Rabbi Feisch Fischmann, verhöhnt Dr. Hildesheimer, macht aus Rabbi Hillel-Kolemea ein Zerrbild, beschimpft Leopold (Selig Leb) Schick, den intellektuellen Gründer der neologen Gemeinde, der aber vor seiner eigenen Schöpfung zurück zur orthodoxen Gemeinde entfloh. Er erregt helle Empörung statt Beifall! Unser Gewährsmann erzählt uns, dass sich Dr. Bak beklagt hätte, sein Gemeindepräsident Wolf Frankl habe ihn zu diesen Angriffen auf gestachelt und er musste ihm gehorchen. Sein Unstern brachte es mit sich, dass gerade damals die Responsen (Schaaloth Tsechubat Jehuda jaaleh) des Rabbi Juda Aszod gedruckt worden sind. Das Werk hat in Pressburg starken Absatz gefunden. Unter den Responsen stand es schwarz auf weiss, dass Dr. Bak 3