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Judaica · 1934-08-01 · 1-2- (August-September 1934) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
1-2- (August-September 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 33 (sequence 34)
Language
German
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der Nekrologe und Biographien. Der historischen Wahrheit zu Liebe muss aber verzeichnet werden, dass Beilis bei seinen Lebzeiten viel weniger Ehrungen in Amerika genossen hat als nach seinem Tode. Er hat zeitweise Not gelitten, gerade in den Zeiten der höchsten Prosperität. Ich traf ihn 1924 im Broadway Central Hotel, das orthodoxen Gästen und Versammlungen zu Diensten steht. Im Foyer standen Delegierte einer orthodoxen Versammlung herum. In der Ecke wartete ein Mann, mit sympathischen, etwas starrem Gesichte, von einem kurzen braunen Vollbart umrahmt Eine Gelehrtenbrille, ein breiter Panamahut verlieh ihm ein ganz distinguirtes Aussehen. Es war Mendel Beilis, dessen Leben in Amerika zu einer athemiosen Jagd nach einem Stück sicheren Brotes geworden war und der da hoffte bei dieser Versammlung einige hilfreiche Freunde zu finden Er klagte mir sein Leid, es war das alte ewig neue Lied der Emigranten in New-York, aber erschütternd aus dem Munde eines Beilis. Raw Kuk, der ihm bei seinem Aufenthalte in Palästina Freund und Beschützer war, versuchte vergebens, ihm in New-York eine Existenz zu schaffen. Vor seiner Abreise aus Amerika richtete Raw Kuk in den jüdischen Tageblättern einen Aufruf zu Gunsten Beilis. Ob es Beilis, der zur Zeit der höchsien Prosperität in Amerika Not gelitten hat, beim finanziellen Zusammenbruch besser gegangen ist? Das bedeutet keinen Vorwurf für das New-Yorker Judentum. Soziale Gerechtigkeit ist drüben eine Nationaltugend. The good Citizen, der gute Staatsbürger, bedeutet drüben nicht patriotische Lieder singen, das Sternenbanner schwingen, sondern für Gleichheit und Menschenliebe (zumindest mit Worten) zu kämpfen. Beilis und anderer seiner Leidensgenossen Unglück war der Grossbetrieb der Wohltätigkeit in Amerika, diese Maschine, die nicht zu distinguieren weiss. Gemeindepräsident Ignatz Herzog« Die LuCenecer Gemeinde hat ihre Krone verloren, das slovakische Judeutum eine ihrer Zierden, die ganze Gesellschaft einen ihrer Besten. In den warmen Nekrologen der Tagespresse wiederspiegelt sich ja hundertfältig das noble Charakterbild des Dahingeschiedenen, und der glückvolle Aufstieg seines Lebenslaufes. Aber ein edles, feinfühlendes Herz ist das höchste Geschenk der Natur, das mit seinen Taten der Menschenliebe dem Ringen nach irdischen Gütern die Weihe des Sittlichen verleiht. Der Name Ignatz Herzog, der in keiner Liste der Opferfreudigkeit gefehlt hat und in historischer Zeit immer auf dem Posten der Pflicht zu finden war,, wird im Pantheon der Geschichte des slovakischen Judentums einen vornehmen Platz einnehmen. Meier Hildesheimer. Es ist die kummerreiche Zeit des Sternenfalles! Besonders schwer ist die Orthodoxie heimgesucht. Das traditionstreue Ostjudentum hat erst vor Kurzem in Rabbi Meir Schapira einen ihrer Besten dargebracht. Nun hat sich auch das menschenfreundliche blaue Augenpaar eines anderen Meir. die „Leuchte“ des altgläubigen Westjudentumes für immer geschlossen, Der Gesetzestreue, er hat sich zu strenge an das von der Bibel vorgezeichnete Alter von siebzig Jahren gehalten. Ein Hildesheimer-Schüler bedeutet an sich eine hohe Distinktion, erst wem Esriel Hildesheimer Meister und Vater war. Bei aller felsenfester Glaubenstreue wirkte er versöhnend und vermittelnd. Ein grosses Leben, das in Eisenstadt begonnen hat und in der deutschen Weltmetropole in immerwährender Tätigkeit und Entwicklungstand reich an Ehren und Erfolgen war, hat in tragischer Zeit sich zum Ende geneigt, ein Sonnenuntergang zwischen gespenstisch schwarzen Wolken. Der schöne Klang, den der Name Meir Hildesheimer zu Lebzeiten hatte, wird forttönen in späteste Zeiten. Frau Rosa Deutsch. In Bratislava ist Fr. Rosa Deutsch-Neumann, geb. Ehrlich aus Dunajska Streda (Szerdahely), eine durch ihre Philantropie und Religiosität ausgezeichnete Dame gestorben. In ihr betrauern Herr Hermann Deutsch, die geliebte Gattin, die Herrn Ärpäd, Leopold und Dr. Sigmund Neumann die angebetete Mutter. Im Trauerhause hielt Rabbiner Unsdorfer, am Friedhofe die Vereinsrabbiner Ungar und Ehrentreu eindrucksvolle Nachrufe. Musik Eduard Douath. Am 6. Juli hat der Dirigent der Hauptsynagoge der Pester Israelitischen Gemeinde, Edu- 33

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