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Judaica · 1934-08-01 · 1-2- (August-September 1934) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
1-2- (August-September 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 29 (sequence 30)
Language
German
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Agudath Israel in der Slowakei. Nach mehr als einem Jahrzehnte, soll noch in diesem Jahre eine Landesversammlung der slovakischen Agudath Israel (Orthodoxe Weltorganisation) stattfinden. Diese lange Pause ist jedenfalls eine Unterlassungssünde, die einigermassen durch die Erwägung entschuldigt werden kann, dass die slovakische Orthodoxie ihre eigene, festergefügte, diszipliniertere Organisation hat. Aber die Aguda soll sich zur orthodoxen Landeskanzlei verhalten, wie die Armee zur Verwaltungsbehörde. Der Orthodoxe verhält sich zum Agudisten wie der Zivilist zum Soldaten. Der Patriotismus des Zivilisten, seine patriotischen Deklamationen und Lieder, sein patriotischer Wandschmuck sind schöne zivilistische, doch keine militärischen Tugenden, die militärischen Tugenden des Agudisten sind: organisatorische, diplomatische und strategische Fähigkeiten bei den Führern und Drill, Exaktheit bei den unteren Chargen. Man hatte von den Agudisten, die in religiösen Dingen auf die peinlichste Genauigkeit bedacht sind, erwartet, dass auch das Organisationswesen der Aguda von der selben Gesetzmässigkeit beherrscht sein wird, ln der Gesetzmässigkeit liegt die Durchschlagskraft einer jeden Organisation. Die Landesversammlungen sind die gesetzgebenden Versammlungen. Die Zeit ihrer Einberufung muss natürlich im Statute genau festgesetzt sein und genau eingehalten werden. Tekanot sind von jeher von religionsgesetzlicher Autorität gewesen. Die Landesversammlung würde übrigens daran recht tun, dort fortzusetzen, wo sie vor mehr als einem Jahrzehnte aufgehört hat. Damals gab es festgefügte Programme und einen einzigen geistigen Mittelpunkt. Aguda hatte der Balfour-Deklaration die göttliche Deklaration an Abraham, Isak und Jakob entgegensetzt, sie hat die Bibel als oberste Instanz in der Araberfrage anerkannt und zog aus der Erzählung von Isak und Ismael die Lehre, dass wir vereint mit Ismael den Orient bewohnen sollen. Die kommende Landesversammlung soll konstruktiv sein und sich nicht mitchabed beklon chawero, nicht durch Herabsetzung des Wertes und der Bestrebungen von Schwesterorganisationen zu heben suchen. Es gibt in der Welt keine zweite Bewegung, die bei allen Völkern Wert auf Verständnis und Sympathie stossen sollte, wie die Aguda, welche die beste Verkörperung des Bibelgeistes repräsentieren will. Die Bibel erobert noch immer neue Gebiete, ist noch immer Schrittmacher der Zivilisation. Die Aguda besitzt das grösste Stück dieses wundertätigen Radiums, ohne dessen Kraft entwickeln zu können. Die Aguda muss, wie sie es vor 14-15 Jahren tat, durch ihre Presse zur ganzen Gesellschaft und nicht bloss zum Judentum oder gar nur zur Orthodoxie sprechen. Und nochmals, in einer Organisation ersetzt die Gesinnungsstärke nicht gänzlich die Tüchtigkeit und Rechtlichkeit. Das Wort Koscher kommt nicht allein dem Rindfleisch zu, es bedeutet so viel wie gesetzmässig. Der „Odom Koscher“ der gesetzmässig lebende Mensch ist nicht minder Gebot der Thora. Aber die höchste Bedeutung dieses Wortes ist Kischron : Fähigkeit! Ritualität, Rechtsamkeit und Fähigkeit bilden die dreieinige Bedeutung des Wortes Koscher, alle drei müssen mit gleicher Peinlichkeit befolgt werden, um die Aguda stark genug werden zu lassen und sie zur Führerrolle zu befähigen. Die jüdische Presse der Slovakel. Drei jüdische Wochenblätter in deutscher, drei in jüdischer, eines in slovakischer und eines in ungarischer Sprache bilden das geistige Rüstzeug des slovakischen Judentumes. Ausserdem hat die Wiener „Jüdische Presse“ eine Filialredaktion in Pressburg. Es erscheinen noch drei hebräische theologische Zeitschriften. Am verbreitetesten ist die „Allgemeine Jüdische Zeitung“ in Bratislava, die aus einer Fusion der im Jahre 1919 gegründeten „Jüdischen Volkszeitung“ und des im Jahre 1926 enstandenen „Jüdischen Familienbktt* hervorgegangen ist. Die „Allgemeine Jüdische Zeitung“ ist besser redigiert als fundiert. Ihr Redakteur David Gross ist einer der glänzendsten jüdischen Journalisten. Er beherrscht alle Skalen des jüdischen Lebens, von den Urquellen der Pressburger Jeschiba bis zu den Höhen der unverfälschten Herzlichen Tradition. Sein brillanter Styl ist der wahre ungekünstelte Ausdruck echter Empfindung. Er findet seinen guten Partner in Moses J. Müller, mit welchem er seit Jabren den heroischen Kampf gegen die schnöde Indolenz der jüdischen Gesellschaft führt. Der „Jüdische Herold“ in D.-Streda und die 29

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