Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 1-2- (August-September 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 28 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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für die Umwandlung der Religionsgemeinde in eine Volksgemeinde mit ihnen gekämpft, die uralten Formen des Religionslebens, die unseren 2000-jährigen Bestand zwischen den Völkern gesichert hatten, zertrümmern wollen, um darauf die von einigen jungen Herren entworfene Volksgemeinde errichten zu wollen? Habet Ihr nicht die slovakische Orthodoxie, die sich bishin durchaus nicht der Aguda anschliessen wollte, gezwungen sich agudistisch zu organisieren, um der drohenden Säkularisieiung der Religionsgemeinden zu entgehen? Ihr sprechet im Namen Herzls, dessen Traditionen, dessen Freunde Ihr derart mit Füssen tretet? Ihr wisset es, dass Herzl den jüdischen Nationalismus ausserhalb des jüdischen Heimes für einen gefährlichen Irrtum bezeichnet hat, dass er dringendst gemahnt hat, im Galuth fugenlos der Nation oder Nationalität anzugehören, in deren Mitte und in deren Kultur man aufgewachsen ist? „Und zum Ungerechten sagt er, was hast Du meine Gesetze zu verkünden \ u Es gibt ernstere Erwägungen in dieser überaus verhängnisschweren Zeit, wo sich in allen Ländern der Horizont umdüstert und in Palästina sich eine staatsrechtliche Umgestaltung vorbereitet, die offenbar den Arabern weitere Erfolge und den Juden weitere Zurücksetzung bringen wird. Mehr als je ist Einigkeit das oberste Gebot. Judaica-Abteilung an der Universitätsbibliothek. Am 14. Oktober 1932 erschien in den jüdischen Blättern Pressburgs ein Aufruf zur Gründung einer Judaica-Abieiiung an der Stadtbibliothek, welche die total fehlenden Quellenwerke zur Geschichte, Literatur und Bibliographie des Pressburger Judentumes sammeln sollte. Durch die Unterstützung seitens des Stadtarchivars Dr. Ovidius Faust nahm die Arbeit schon am 15. November ihren Anfang. Am 22. November fand eine Sitzung von Delegierten der jüdischen Vereine Pressburgs statt, bei welcher alle Schattierungen in seltener Einmütigkeit teilgenommen haben Die Versammlung wählte Samuel Bettelheim zum Präsidenten des provisorischen Komites. In kurzer Zeit waren 200 Bände, zumeist nicht im Buchhandel erreichbare Quellenwerke gesammelt. Zufolge Differenzen mit dem sogenannten jüdischen Bücherrat, ergab sich die Notwendigkeit, die Sammlung von der Stadtbibliothek nach der Universitätsbibliothek zu verlegen. In der ersten Hälfte des Jahres 1933 gedieh dort die Judaica-Bibliothek in zufriedenstellender Weise. Bibliotheksrat Dr. Josef Schützner förderte die Institution in entgegenkommendster Weise. Es wurde für die Judaica-Arbeit ein besonderes Zimmer reserviert, das der Sammlung eine sofortige, provisorische Aufstellung ermöglicht hat. Im zweiten Semester ist nur ein langsamer Fortschritt erzielt worden. Das Arbeitszimmer ist wegen Mangel an Raum aufgelassen worden, zumal die Verwaltung des provisorischen Aufstellungsraumes schwere Opfer an Zeit und Mühe gekostet hat, die auf die Dauer nicht kostenlos gefordert werden konnten. Gegenwärtig beträgt die Zahl der Bücher immerhin etwa 1200 Bände, darunter Unica und seltene Posoniensae. Auch ist eine Bibliographie der Pressburger Hebraica und Judaica zusammengestellt worden, die an 600 Nummern registriert. Die Bibliothek selbst dürfte in ihrem Bestände auch sicherlich an 2000 Judaica besitzen. Es ist freilich schade, dass sich diese Abteilung nicht in demselben Tempo, wie im ersten Halbjahre weiter entwickelt hat. Wir haben eine vielversprechende Korrespondenz mit dem Auslande eingerichtet, das uns in jeder Weise entgegengekommen ist. Die Gründungsarbeit ist durch die Spende des Herrn Direktor Karl Sonnenfeld ermöglicht worden. Die grössten Bücherspenden widmeten die Herren Karl Angermay er, Eduard Frankl und Dr. Ignatz König. Die orthodoxe Gemeinde war bestrebt, ihr Möglichstes zu leisten. Wir sind auch Herrn Dionys Trebitsch für sein tätiges Interesse und materielle Opfer Dank schuldig; ferner dem Obersten Bundesrichter B r a n d e i s-Washington, dem Grandrabbin Levy, Paris, dem amerikanischen Gesandten Hermann Bernstein für die freundliche Beschaffung der erbetenen Werke Herr Regierungsrat Dr. W achstein diente uns mit seiner grossen Sachkenntnis Von Spendern sind hervorzuheben : Abg. Albert Gestetner, Direktor Julius Falk, Sigmund F o r n h e i m, Ferdinand Schönfeld, Samuel Diamant, Trnava, Ludwig Sonnenfeld, Direktor W. L a n g, Direktor A. F a r k a s, Ludwig S z o 1 d, Josef F r a n kl, Max Gräber & Sohn, JeSurun Verband, Bne Brit, Jüdischer Kulturverband, JeSurun Gemeinde Bratislava. 28