Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 1-2- (August-September 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 27 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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H«rzi’scher Zionismus und Marxistischer Atheismus. Unter diesem Schlagwort richten zwei rechtsgelehrte und rechtsorientierte Bratislavaer Zionisten eine höchst unfreundliche Attake gegen ihre Gesinnungsgenossen auf dem linken Flügel. Der Leser erwartet von uns vergebens, dass wir Swore mit Gegenswore beantworten. Wir bemerken nur kurz, dass es der ungeeigneteste Zeitpunkt ist, im eigenen Lager die Gegensätze zu verschärfen. Misrachi war als der tolerante Flügel der Orthodoxie gedacht, der Hillel, der den Ungläubigen nicht verstösst, sondern ihn gewinnen will, während Aguda den Schammai als Vorbild nimmt. Wer in der zionistischen Organisation nicht mehr den Hillel geben will, gehe zur Aguda, aber stifte keinen Unfrieden im eigenen Lager, besonders wenn man jahrzehntelange mit den „Atheisten“ gegen die Orthodoxie gekämpft hat. Herzl war die Toleranz in Person. Wir glauben Dr. S. gerne, dass Herzl, wenn er noch lange gelebt hätte, sich bis zur geistigen und sittlichen Höhe des Meir Berlin hinaufentwickelt hätte, aber nicht, dass Herzl einen Kampf gegen die irreligiösen Elemente im Zionismus begonnen hätte. Herzls erste grosse Tat war, dass er im Stande war, die grössten Gegensätze des Judentumes in einer bishin nicht geahnten einheitlichen Weltorganisation zusammen zu fassen. Die Schaffung und Erhaltung dieser wahren Volksorganisation war natürlich durch Toleranz bedingt. Misrachi wollte der Missionär im Lager der Zionismus sein, der mit der Macht des Wortes und der Überzeugung die Jugend für die Thora gewinnen würde, nicht der Maschgiach, der vom ganzen Betriebe nichts versteht, als nur die Aufsicht über das Kaschrut, für welche er ein „Budget“ beansprucht. Dr T. bemerkt, das& Herzl uns die blauweisse Fahne gebracht hat! Die Fahne, die Herzl im judenstaat in einem besonderen Absatz beschreibt, ist weiss mit sieben Sternen! Weiss bedeutet die Reinheit und die sieben Sterne den Siebenstundentag, denn, sagt Herzl, der Judenstaat wird im Zeichen der Arbeit stehen. Soziale Gerechtigkeit ist natürlich das oberste Gesetz des Judenstaates, schon bei den Propheten! In der Haftara am Jomkippur wird verkündet, dass die wahre Busse nicht im Fasten und Beten allein liegt, sondern in sozialer Gerechtigkeit! Wie steht es mit der sozialen Gerechtigkeit im Judentum Palästinas? Ein steinreicner Misrachist ist eben damit beschäftigt, seine Bodenspekulation in Palästina mit cca 1,000.000 £k. Nutzen abzuwickeln, das ist ein Beispiel für Viele! Aber wir schreiben schöne Artikel darüber, wie weise das Bodengesetz der Bibel den Bodenwucher verhindert. Nordau sagte längst: ln Palästina wird Sozialismus nötig sein, um den Übermut der Reichen zu zügeln. Das sollte aber Aguda und Misrachi von Thora wegen bewerkstelligen. Die Herrschaft des goldenen Kalbes, die sich in Palästina ausbreitet, ist der Thora eben ein solcher Gräuel, wie dem Sozialismus, auch wenn ma.i sie euphemistisch „Wirtschaftsepochenennt Kämpfet im Geiste der Thora für soziale Gerechtigkeit und Ihr en'- ziehet dem Sozialismus dem Boden! Die grandiosen Werke der sozialen Hilfe in Amerika bewirken es, dass der Sozialismus in der Millionenmasse von Arbeitern weniger Boden findet, als in anderen Ländern. Wenn die Irreligiosität in den Reihen des Zionismus einreisst, so hat die Misrachi-Leitung unfähige Führer an der Spitze, die es nicht verstanden haben, ihre Mission zu erfüllen! Was hat denn Misrachi in der Slovakei getan, um die Zionisten auf dem Wege der Thora zu erhalten? Welche Vorträge hat man gehalten, welche Schriften oder nur Artikel hat man verbreitet? Acht jüdische Blätter gibt es in der Slovakei und einige Nebenblätter, aber kein misrachistisches, obwohl eigentlich der Durchschnitt der slovakischen Juden zum Misrachi neigt. Es gibt sogar ein gutes misrachisch orientiertes Blatt, das aber im Stiche gelassen wurde. Der alte Ahawat Zion Verein, der nicht nur religiös war, sondern gar eine Stätte hebräischer Wissenschaft, bat Euch ein grosses Erbe hinterlassen. Er vereinigte alle Gegensätze des zionistischen, des jüdischen Leben in sich, Bachurim und Poale Zionisten. Was habt Ihr aus diesem Erbe gemacht? Die Bedingungen für die Blüte eines solchen Zentralvereines unter religiöser Leitung sind nach dem Kriege weitaus günstiger geworden Der Pressburger Zionismus, der einheitliche, war prädistiniert, die Leitung des ganzen Landes zu übernehmen. Ihr habt dieses Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkauft! Habet Ihr nicht anno 19TJ, im grossen psychologischen Momente des Aufbaues der Republik Euch hinter die Fahne der Irreligiösen gegen die Orthodoxie gestellt? Habet Ihr nicht