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Judaica · 1934-08-01 · 1-2- (August-September 1934) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
1-2- (August-September 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 26 (sequence 27)
Language
German
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Die Gegenwart Otto Warburg 75 Jahre alt. Es wird einem warm ums Herz, wenn man die Kunde liest, dass der ausgezeichnete Mann in vollem Besitze seiner geistigen Kräfte, in ununterbrochenem Laufe seiner unschätzbar wertvollen und dabei so vornehm lautlosen Tätigkeit, auf einer selten erreichten Höhe des Lebens angelangt ist, von welcher er und seine Freunde mit Genugtuung auf den zurückgelegten Weg hinabblicken. Professor Otto Warburg enstammt einer vornehmen Familie, die aus der uraltenßolognaerjudengemeinde veitrieben, nach Deutschland kam. Aus diesem Stamme breiten sich fruchttragende Aeste in alle Gebiete der Kunst, Wissenschaft, des Handels und besonders der Philantropie aus. Das deutsche Städtchen Warburg, das einst den jüdischen Flüchtlingen ein Heim geboten hat, ist dafür reichlich belohnt worden. Der Name Warburg ist durch sie ruhmvoll bekannt geworden. Otto Warburg, der berühmte botanische Gelehrte, wurde 1911 zum III. Präsidenten der zionistischen Weltorganisation gewählt. Man darf von ihm sagen, was die Amerikaner von Bryan sagten : Er war zu gross, um Präsident zu sein. Seine Aera bedeutet jedoch den grossartigen Aufschwung des Aufbaues Palästinas. Dass er mehr Undank als Dank geerntet hat und dass er in einer Aera des Zionismus, wo der Ellbogen nützlicher war als der Geist, in den Hintergrund trat, vesteht sich von sich selbst. Mit Pressburg stand Warburg Jahre hindurch in persönlicher freundschaftlicher Beziehung und reger Korrespondenz. Wir nehmen an diesem schönen Freudentag daher herzlichen Anteil. Die Präseswahl in der ungarischen Orthodoxie. Der bisherige Präses der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei, Magnatenhausmitglied Adolf Frankl hat zu Gunsten seines Schwiegersohnes, Herrn Samuel Kahan-Frankl abdiziert. Die Neuwahl geschah fast einstimmig, nachdem eine kleine Minderheit, die Herrn Friedmann-Mändok zu kandidieren versucht hat, die Kandidatur nicht aufrecht erhalten hat. Bei aller Eigenart des Wahlaktes ist es der einzige Modus gewesen, welcher der jüngeren Generation der Orthodoxie die Möglichkeit verliehen hat, in der Leitung zur Geltung zu kommen. Die Budapester jüdische Presse, ohne Unterschied der Konfession, hat sich über die Person des neuen Präsidenten in solch enthusiastischer Weise ergangen, dass uns nichts mehr übrig bleibt. Doch kann hinzu gefügt werden, dass seine Kollegen an der Pressburger Jeschiba die persönlichen Eigenschaften des Präses Kahane-Frankl hoch preisen. Die Konstellation ist keine ungünstige. Das religiöse Leben der ungarischen Juden ist in aufsteigender Entwicklung begriffen. Die jüngere Generation der Orthodoxie wird von einem Kreise von Kaufmännern mit weiterem Horizonte und viei Lebenstüchtigkeit geführt. Das könnte ein Ensemble von sittlichen Kräften ergeben, das weit über die Grenzen der eigenen Gemeinde auf die grosse Masse des Budapester Judentumes wirken könnte. Das bisher so unfreundliche Verhältniss zur Neologie macht schon einem Austausch von gegenseitigen Freundschaftsbezeugungen Platz, die vor Jahren noch verpönt waren. Die Jungorthodoxie müßte vor Allem eine würdige orthodoxe Presse schaffen. Der Generalsekretär Dr. Imre Reiner hat vor dem Krieg ein kurzlebiges aber doch mustergiltiges Organ geschaffen, das seine Wiederaufstehung fceiern könnte. Vor uns liegt das orthodoxe Organ „Magyar Zsidö* vom Jahre 1870. Ein ausgezeichneter ungarischer Artikel, der sich gar Jean Jacques Rousseau zum Texte wählt, macht den Anfang; es folgt ein deutscher Artikel des Rabbi Lipschitz s. A., von einer Eleganz des Styles, Adel der Gesinnung und soviel geistiger Überlegenheit, dass selbst Kenner und Verehrer des Verfassers ihn mit erhöhter Bewunderung durchlesen. Es gibt recht hübsche hebräische Verse in demselben Blatte. Warum musste die orthodoxe Presse sich derart zurück entwickeln? Was man der älteren Generation nachsichtig erlassen hat, muss von der jüngeren Generation gefordert werden, die Hebung des Niveaus der orthodoxen Kultur und ihrer Ausdrucksformen. Die geistigen und materiellen Mittel sind ja vorhanden, es müsste nur die latente Kraft in Energie verwandelt werden. 26

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