Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 1-2- (August-September 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 14 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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poleoii (der bei seiner kleinen Figur wohl zu Juda Melamed emporseher. mußte) soll freundlich gesagt haben: „Wie ehrwürdig muß der Rabbiner sein, dessen Vertreter so ehrwürdig aussieht!" und hat den Urlaub bewilligt. Die Zahl der beurlaubten Soldaten war außerordentlich groß. Man baute für sie 12 Baracken auf der Fürstenallee. Es kamen auch Gefangene in Ketten. Es heißt, daß man niemals eine solche leidenschartliche, schmerzvolle Andacht gekannt hat, wie sie in diesen Baracken gehört worden ist. Juda Melamed, der mit vielen Gemeindemitgliedern von Baracke zu Baracke ging, erzählte, daß man die „Kole Koloth", das laute Weinen der betenden Soldaten weithin gehört habe. Es waren Soldaten darunter, die ihre Fsmilie. eine Synagoge, seit einem Jahrzehnt nicht sehen konnten. Die Judengasse wimmelte von fremden jüdischen Soldaten., Juda Melamed ist am 1 Nissan 1825 gestorben. Er ist der Verfasser des Werkes „Omer lajehudim" (Brünn 1790) über die Mißlichkeiten der Chederschulen. Sein Grab, d?s sich auf dem alten Friedhofe befunden hat, ist bisher nicht ermittelt worden* Sem Schwiegersohn Gumprecht Eisenstädter, (abgekürzt Asch), der Schächter der Gemeinde, hat damals eine heroische Haltung bewiesen, die Chatam Sofer, in seinem ,,Buch der Erinnerung'' verewigt hat.*, Er hat während des Bombardements Preßburgs den greisen, blinden Koschmann Offenbach unter Einsetzung seines eigenen Lebens aus dem brennenden Hause gerettet, ebenso den einzigen Verwundeten der Judengasse Wolr Komorn, den er mit dem Bette aus dem flammenden Sigray- Haus getragen hat. Sein Hut wurde versenlkt, Kugeln flogen um sein Haupt, er aber brachte seine Schützlinge in Sicherheit (Gumprecht Schochet besaß ein selbst für die damalige Zeit gewaltiges talmudisches Wissen. Er hat im Auftrage des Chatam Sofers, im Vereine mit Ber Frenk und Tritsch die neue Auflag? der „Halachot gedolot" besorgt, wozu Moses Schacherls1,, der reiche Bibliophile, die Kosten spendete.) Im wiederfuhr das damals seltenere Glück, das große Los zu gewinnen. Er suchte den Oberrabbiner auf, und bat ihn nun der Schoehet-Steile zu entheben. Der Oberr.abbiner soll ihm geraten haben, die Stelle weiter zu bekleiden. Er aber begann mit Perlen zu handeln, entwickelte aber auch eine außerordentliche Wohltätigkeit. Als im Jahre 1811 das jüdische Spital beim großen Preßburger Brande ein Raub der Flammen wurde, hat Gumprecht Eisenstädter unverhältnismäßig viel beigetragen. Der Metaher-Stein trägt heute noch seinen Namen. Er hatte seine Tochter Pessel mit dem armen, aber frommen Simon Hirsch Wottitz verlobt. Auf die Kunde seines Glückes hin, ward er mit glänzenden Partien bestürmt. Er wies aber das Ansinnen, die Verlobung seiner Tochlter mit dem armen Bachur rückgängig zu machen, empört zurück Das Perlengeschäft und die freigiebige Unterstützung der *) Siehe Gold „Juden und Judengemeinden Bratislava0: Die Beschiessung Press» burgs durch Napoleon 1809. 14