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Judaica · 1934-08-01 · 1-2- (August-September 1934) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
1 (1934)
Issue
1-2- (August-September 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 6 (sequence 7)
Language
German
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Rundschreiben an die jüdischen Gemeinden Ungarns. Er steht auf der Höhe seiner edlen Wirksamkeit. Er wird vom Hole und von der hohen Aristokratie mit großer Hochachtung behandelt. Der Fürstprimas hört den genialen, edlen, seinem Volk© mit solch selbstvergessener Hingebung dienenden Parness gerne über religiöse Fragen sprechen. Bei den Krönungsfeierüchkeiten ladet ihn der dem Hofe nabestehende JCreis ein, den festlichen Zug von seinen Fenstern mit anzusehen. Man sieht ihn mit den höchsten Würdenträgern des Landes in freundschaftlichem Gespräche vertieft, spazieren gehen. Carolina Augusta hatte am Tage der Krönung der Stadt eine Schiffbrücke geschenku dahin hatte eine fliegende Brücke den Verkehr zwischen beiden Ufiern hergestellt. Die Stadtbehörde ließ die Juden nicht ohne Judenzoll passieren. Es genügte eine Vorstellung Lembergers beim Hofe, um den beschämender Zoll aufzuheben. Er intervenierte erfolgreich bei der gewaltsamen Taufe eines Kindes. Er verschaffte der Witwe deä vom Grafen S. aus Rache niedergeschossenen Bojnitzer durch eine Intervention beim Hofe eine Pension und Erziehungsgeld für die Kinder, die der Graf bezahlen mußte. Die Forderung wurde auf das Haus des Grafen intabuliert. Er setzte beim Hofe trotz des Protestes der Stadtbürger durch, daß die Juden sich auch in der Wödritz niederlassen durften, nachdem ihnen schon die Geisgasse und Nonnenbahn freigegeben worden war. Die Krönung Ferdinands zum König von Ungarn ist wieder der Anlaß zur Auszeichnung Lembergers und der Judengemeinde. Die Krönung sollte am Jomkippur stattfinden, aber ein starker Wolkenbruch bewirkte die Verschiebung, zur größten Freude der Judengemeinde, die schon schweren Herzens eine Unterbrechung des Gottesdienstes beschlossen hatte, um an der KröV nung teilnehmen 2u können. Den größeren Triumph feierte aber die Primärschule, die durch den Besuch des jungen Königs ausgezeichnet wurde. Die Gemeinde überreichte wieder eine hebräische und deutsche Festdichtung, diesmal von Chaim Pollach verfaßt. Seine staatsmännische Kunst, befeuert von wahrer jüdischer Begeisterung war vor schweren Aufgaben gestellt. Er war Führ rer des Landes, dessen Judentum zum Teile nach Freiheit und Fortschritt drängte, er mußte für Freiheit und gleiche Rechte kämpfen und gleichzeitig die altjüdische Tradition schützen* Der strengtraditionelle Teil der Gemeinde drängte darauf, den Einfluß beim Hofe zu benützen, um für die Kirchenzucht einzutreten, den Arm des Gesetzes für die Bestrafung religjiösi^r Vergehen anzufordern. So hatte die Pälffysche Polizei auf Verlangen der Gemeinde ein Geschäft gesperrt, dessen Inhaber noch die Trauerwoche nach einem verstorbenen Verwandten halten sollte. Lemberger selbst konnte als Führer des Landesljudcntumes, von welchem ein Teil die Kirchenzucht bekämpfte, einen solchen Schritt nicht tun. Der Oberrabbiner richtete daher selbst dieses Gesuch an die Statthalterei am n. Dezember 1832. 6

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