Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Die Judenpolitik Friedrich Wilhelms 1. von Preußen den Russen und den polnischen Juden und in Beförderung des Debits den inländischen Manufakturen nützlich. Die jüdischen Kaufleute führten die Waren aus der Türkei, Polen und Rußland hierher und dies ergebe den Handel mit Holland, England und Frankreich. Die Berliner Juden selbst wiesen in vielen selbstbewußten und von klaren volkswirtschaftlichen Gedanken durchzogenen Ausführungen darauf hin, daß ihr Handel durch ihre Korrespondenz und ihre guten Waren sehr gewachsen sei, daß die Kaufleute aus Sachsen, Mecklenburg, Polen und Schlesien, die bisher nach Hamburg, Lübeck, Danzig und Breslau gereist seien, nun nach Berlin kämen, um mit den Juden Handel zu treiben. Die feine holländische Leinwand, die sie führten, werde von den Leuten von Stand und Condition, von Einheimischen und Fremden, besonders von den Offizieren, gern gekauft. Werde ihr Handel eingeschränkt, so leide die halbe Frankfurter Messe Schaden, da die Sehlesier viel Leinwand an die hiesigen Juden vertauschten und also kein geringes Commercium damit machten. Wenn es trotzdem zu der erwähnten Einschränkung des jüdischen Handels kam, so war daran nicht so sehr die persönliche Abneigung des Königs und die Klage der Kaufmannschaft schuld, als die streng durchgeführte Schutzzollpolitik der Regierung. Der Merkantilismus Friedrich Wilhelms I. war anderer Art als der französische, der holländische, der italienische Merkantilismus des Jahrhunderts. Der Merkantilismus Frankreichs zur Zeit Colberts hatte sich die Unterstützung der Industrie und die Ausfuhr der von dieser Industrie geschaffenen Fabrikate zum Ziele gesetzt. Das Frankreich Sullys erblickte in der Förderung der Landwirtschaft und der Ausfuhr der landwirtschaftlichen Produkte, hauptsächlich des Getreides, die Aufgabe der Volkswirtschaft der Zeit. Holland sah die Quelle alles Reichtums und das Wesen staatlicher Wirtschaftspolitik im Zwischenhandel, der auch dem Großen Kurfürsten als Sinn seiner Wirtschaftstätigkeit erschienen war. Friedrich Wilhelm I. brach bewußt mit dieser Tradition. Die hochfliegenden Träume von einer Beherrschung des mare Balticum, von Seehandel und Schiffahrt wurden von dem realeren, nüchterneren Enkel nicht mehr geträumt. Friedrich Wilhelms Blicke gingen nicht in die Weite. Sie waren auf das Innere seines Landes gerichtet und wollten nur das Faßbare, das für den Augenblick Nützliche und Notwendige tun. Um den Ausbau der Häfen und Kanäle, um die Förderung des Transitverkehrs, um die wirtschaftliche Verbindung der Provinzen, um die Hebung von Königsberg und Stettin kümmerte er sich kaum, der alles verteuernde Zwischenhandel war ihm verhaßt. „Manufacturen", so belehrt er in der Instruktion für seinen Nachfolger, seinen Sohn, „im Lande ein rechtes Bergwerk heißen können und ein rechter nervus rerum gerendarum und die Wohlfahrt unserer Länder. Ein Land sonder Manufacturen ist ein menschlicher Körper sonder Leben, ergo ein totes Land, das beständigst power und elendig ist".