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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · 11 (1930) · p. Seite 20

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707530--479-2708052
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20 Selma Stern Zoll-, Lizenz-, Bergwerks-, Salz-, Post- und Hüttenwesens fortführte. Indem das Generalfinanzdirektorium in einer großartigen, zielbewußten Tätigkeit die Domänen zentralisierte, reorganisierte, meliorisierte und die veräußerten, verpfändeten, verschuldeten Teile allmählich zurückerwarb, sicherte es dem Staate für viele Jahre die finanzielle Grundlage seiner Reformen. Neben ihm stand das aus den alten Kommissariatsbehörden erwachsene Generalkriegskommissariat, dem die Aufsicht und Kontrolle über die Akzise, die Polizei, die Zünfte und Kommerzien, die Verpflegung, Besoldung und Unterbringung der Truppen zustand. Als „die eigentlichen Pioniere des Einheitsstaates", wie man die Kommissariatsbehörden bezeichnet hat, als die eigentlichen Träger des Absolutismus wurden sie die oberste Steuer- und Landes - poiizeibehörde und die Zentralbehörde für alle Wirtschaftsfragen der Provinzen. Gleichzeitig wurde sie die modernste, dem König ergebenste Reformbehörde des Landes, erfüllt von den Ideen der Aufklärung, des Naturrechts, des Merkantilismus und der Kameralistik, der Mittelpunkt der Wohlfahrtspolitik jener arbeitsreichen, drängenden und erfüllten Jahre. Ihre Organe in den Provinzen, die Kriegs- und Steuerkommissare, diese verhaßten, gefürchteten, strengen, die städtischen und ständischen Gewalten zerstörenden, sich in alles mischenden Kontrollbeamten des Königs, spielten auch bei der Regelung der jüdischen Verfassung eine große Rolle. Immer wieder stößt man in den Akten auf die klaren, ausführlichen, anschaulichen Berichte dieser Räte, der fast wichtigsten Quelle für die jüdische Geschichte jener Zeit, in denen sie die unzähligen Anfragen des Königs nach Zahl und Vermögen, Handel und Wandel, Ritus und Zeremoniell, Wohnort und Gemeindeangelegenheiten, Nutzen und Schaden des jüdischen Elementes beantworteten. Aber diese Antworten sind nicht nur trockene Statistiken und Tabellen, wenn diese auch überwiegen, sondern sehr oft warme und schöne Schilderungen der Notlage der Juden, Versuche, Ungerechtigkeiten zu mildern, Vorurteile zu beseitigen, Strafen rückgängig zu machen, die Feindschaft zwischen Juden und Christen zu mildern, den Nutzen des jüdischen Handels für Staat und Gesellschaft zu beweisen. Das Jahr 1723, das für die Geschichte der preußischen Berhördenorganisation entscheidend geworden ist, brachte auch den Juden eine völlige Neuregelung ihrer Verfassung. Die ewigen Ressortkämpfe zwischen den beiden neuen Behörden, dem Generalfinanzdirektorium und dem Generalkriegskommissariat, machte eine fruchtbare Arbeit auf die Dauer unmöglich. Es waren die gleichen Fehden, die auch heute noch zwischen Landwirtschaft und Industrie ausgefoehten werden. Das Generalfinanzdirektorium vertrat die agrarischen, freihändlerischen, ständischen Grundsätze des alten Territorialstaates, die Interessen des Adels und des Großgrundbesitzes, während das Generalkriegskommissariat die Interessen der Städte, des Handels, der Industrie, des Gewerbes verfocht und sich zum Vorkämpfer einer schroffen und aggressiven Schutzzollpolitik machte.

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