Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
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Die Judenpolitik Friedrich Wilhelms I. von Preußen 17 nach der harten Arbeit und dem Exerzierdienst des Tages zu den derben Spaßen seines Tabakkollegiums flüchtete, war er in seinen religiösen Vorstellungen mehr jenen streitbaren, eifrigen kirchlichen Fürsten der Reformationszeit als seinen großen Vorbildern Colbert und Sully ähnlich. Dieser harte, gewalttätige, jähzornige Fürst, der mit eiserner Energie seine Beamten und Soldaten erzog, war in seinem tiefsten Gefühl ein kindlich reiner, gläubiger Protestant. Er haßte die Katholiken und die Atheisten, die Arianer und die Socinianer und am meisten die Jesuiten, diese „Vögel, die dem Satan Raum geben und sein Reich vermehren wollen". Er verjagte den Philosophen Wolff, dessen Staatslehre er schätzte und dessen Theorien er nachlebte, von der Universität und verbot ihm den Aufenthaltsort in Halle bei Strafe des Strangs, weil er ihm als Irrlehrer und Gottloser geschildert worden war. Er zwang, gleich den Kleinfürsten des 16. Jahrhunderts, die in der Bewahrung der reinen Lehre die Hauptaufgabe der Regierung sahen, seine ganze Umgebung, ja seine Beamten und Soldaten durch Strafe und durch Drohung, die Kirche zu besuchen und alle religiösen Vorschriften bis ins Kleinste zu erfüllen. „Wir sind hier protestantisch bis auf die Knochen", belehrte er den Hofmeister seines Sohnes. Und in diesem ganz naiven, ganz primitiven Sinn sah er in den Juden die Nachkommen derer, die einst Jesus Christus zum Kreuze führten. In den Marginalien, die er in seiner unorthographischen, schwer zu entziffernden Schrift und in seinem polternden, schlechten und doch so bildhaften, kernigen Deutsch an den Rand der Judenakten schrieb, gab er diesem ganz persönlichen Haß gegen die Juden als der Pest und dem Verderben des Landes immer wieder lauten und kräftigen Ausdruck. „Was die Juden betrift", heißt es in seiner berühmten Instruktion für seinen Nachfolger vom 22. Januar bis 17. Februar 1722 „sein leider sehr vi eil in Unsere lender, die von mir keine Schuzbriffe haben, die müßet ihr aus dem Lande Jagen, den(n) die Juden heuschrechen einnes Landes ist und Ruiniren die Kristen ich bitte euch gehbet keine Neue schutzbriffe wen(n) sie euch auch wolten viell geldes gehben den(n) es euer Größe schade ist und euer Untertanen Ruin davor sein die Juden guht wen(n) Ihr vor euren Plesir wahs haben könnet sie lassen oft eine Summe wollet Ihr Geldes (so laßt) auf die gantze Judenschaft ausschreiben 20 a 30 000 th und das ale 3 a 4 Jahr über den schütz (geld) den sie euch gehben. Ihr müßet sie drücken den(n) sie Jesus Kristi verrehter sein und sie nicht trauen den(n) der redelichste Jude ein Ertzbetriger und schelm ist das seidt Persuadieret." Aber neben dem König standen als Vertreter einer neueren und besseren Zeit seine Beamten. Man muß dieses Beamtentum Friedrich Wilhelms I. kennen, um die Judenpolitik des Königs zu verstehen. Denn obwohl Friedrich Wilhelm I. „die gesetzgebende, die ausführende und die richterliche Gewalt in seiner Person vereinigte", obwohl er — der starrste Repräsentant des Absolutismus, der seine Souveränität begründete wie einen Felsen von Erz — sich