Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
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42 Verwaltungsbericht ausgäbe eine zweite Organisation mitbeteiligt ist, in Frage kommen. Die Ausgaben überschreiten mit rund 124 000 RM. die vorjährigen um 27 000 RM. Den ersten Raum nehmen naturgemäß wieder die Gehälter und Honorare unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter ein. Sie betrugen rund 61 000 RM. gegen 49 000 RM. im Vorjahr. Den zweiten Teil des Jahresmehrs erforderten die Zuschüsse für die Herstellung unserer Publikationen: 32 000 RM. gegen frühere 17 000 RM. Erfreulicherweise wurde dieses Mehr zum Teil durch eine Zuwendung des Herrn Jakob Michael gedeckt, welche für Erscheinungen aus der talmudisch-rabbinischen Literatur bestimmt ist. Die Steigerung des Ausgabepostens Publikationen war übrigens vorausgesagt. Wir hatten uns zuvor so strenge Beschränkung auferlegt, daß diesmal ein Ausgleich unumgänglich war, w7enn nicht einem der wichtigsten Ziele der Akademie der Weg verlegt bleiben sollte. Dasselbe wird für das laufende Geschäftsjahr zu gelten haben, das neben kleineren Aufgaben noch den Druck von Selma Stern- Täublers „Jud Süß" und Professor Silbergleits statistischem Werk über die Lebens- und Berufsverhältnisse der Juden in Deutschland zu bewältigen hat. Daß die große Arbeit unserer statistischen Sektion überhaupt in Angriff genommen werden konnte, ist dem Einspringen der Landesverbände und Großgemeinden zuzuschreiben. Sie haben den größten Teil der Mittel für die Beschaffung des Materials bei den statistischen Landesämtern bereitgestellt. Leider bleibt hier noch ein Rest von etwa 7000 RM. (davon für Preußen 5000 RM.) zu decken, den die Akademie keineswegs zu tragen vermag, da sie schon für die wissenschaftliche Bearbeitung sorgen und sich für die Drucklegung vorsehen muß. Unsere Gemeinden und Verbände wissen, — die letzteren haben es auch auf einer Tagung ihrer Reichsarbeitsgemeinschaft in einer Resolution zum Ausdruck gebracht — daß es sich bei dieser Materialbeschaffung und diesem Druck viel mehr um ihre eigenste Aufgabe, als um eine der Akademie handelt, und sie werden — darauf rechnete der verewigte Bradt für die Akademie zuversichtlich — die Arbeit nicht in der Mitte stehen lassen. Ein ebenso schwieriges wie interessantes Problem haben unserer Verlagsabteilung die beiden im Mendelssohn-Komitee vertretenen Organisationen, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, mit der IGbändigen Mendelssohn-Jubiläums ausgäbe zur Lösung übergeben. Die ersten drei Bände erscheinen im Jubiläumsjahre 1929, weitere je drei Bände jährlich in den folgenden Jahren. Die Herstellungskosten, demgemäß auch der Verkaufspreis, sind durch eine Zuwendung des Bankhauses Mendelssohn & Co. erheblich verbilligt. Auch das ist eine Unternehmung, die die Gesamtheit der deutschen Juden angeht. Wir vertrauen deshalb durchaus darauf, daß die Verbände, die Gemeinden und die Einzelnen ihren Mendelssohn nicht nur am Jubiläumstag feiern, sondern auch durch Subskribierung seiner Werke sein geistiges Erbe verbreiten und damit das Gelingen des Unternehmens sichern werden. Just über den Berg des schweren Jahres 1928 gelangte unsere jetzt fünfjährige Hermann Cohen-Stiftung. Eine beträchtliche Spende des Herrn Felix Warburg, New York, und das Monatsstipendium eines Berliner Freundes reichten gerade hin, nach den erheblichen Aufwendungen für den Druck von „Hermann Cohens Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte" sowie des Buches von Dr. Gordin, um die Mitarbeiter der Stiftung zu besolden und die laufenden Unkosten zu decken. In welcher Weise die Stiftung nach dem Ableben ihres Gründers und Vorsitzenden Bradt fortzuführen ist, ist eben jetzt Gegenstand eingehender Erwägung. Bis auf weiteres laufen indes die Arbeiten der Stiftung in früherer Weise fort, die gleichen bleiben auch die Methoden der Geldbeschaffung. In das Kuratorium sind die Herren Oskar Wassermann und Jusizrat Severin Behrendt berufen worden, seinen Vorsitz übernahm Herr Aron Hirsch, der