Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2707513-2707532--449-2708021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bericht des Verwaltungsvorstandes Zehn Jahre Aufbau und Arbeit sind vorüber: Anlaß zum Feiern, wenn nicht Anlaß zum Trauern wäre. Der Mann, der den Bau der Akademie aufgeführt hat, Gustav Bradt, ist nicht mehr unter den Lebenden. Sein Werk hat nun ohne ihn in einem zweiten Jahrzehnt zu erweisen, daß die Hoffnungen und Mühen seines Schöpfers im ersten Jahrzehnt nicht verlorene waren. Die Lücke, die Bradts Tod riß, war schwer auszufüllen. Am Tage seiner Beisetzung traten die Vorstände zu dem Gelöbnis zusammen, in gemeinsamer Anstrengung aller den Ausgleich zu suchen. Einmütig stellten sie sich hinter die Aufgaben und Absichten Bradts, entschlossen, sie im gleichen Geiste fortzuführen und ihnen nach Möglichkeit jene materiellen Sicherungen zu schaffen, die des Entschlafenen stete Sorge waren. Nach acht Monaten Rückschau darf gesagt werden, daß ein gut Teil dieser Vornahme dem Vorstand geglückt ist. Keine der begonnenen wissenschaftlichen Arbeiten brauchte unterbrochen zu werden, der Mitarbeiterbestand des Forschungs-Institutes blieb erhalten, die Fortentwicklung der Akademie ist nicht fraglich geworden. Gerade dem Etatsjahr 1928 waren schwere und weitreichende Aufgaben gesetzt. Sie durchzuführen waren Aufwendungen nötig, für die das Äquivalent hereinzubringen nicht leicht war. Es gelang dennoch, dank den außerordentlichen Bemühungen der Vorstandsmitglieder, dank der Opferfreudigkeit von Persönlichkeiten, die zum Teil schon mehrfach namhafte Beträge zur Verfügung gestellt haben, dank wohlwollender Förderung durch den Preußischen Landesverband, die Berliner Gemeinde, andere Verbände und Gemeinden, sowie die Logen des Ordens Bne Briss, dank der Treue endlich, die Hunderte von Mitgliedern der Akademie auch durch die schweren Zeiten hindurch bewahren. Die Sorge um Unterbringung unserer Büros, unserer Bibliotheks- und Verlagsbestände verminderte die Berliner Gemeinde durch Bewilligung eines zweiten Raumes im Verwaltungsgebäude ihrer Synagoge Lützowstraße, und wir hoffen, daß sie uns durch Überlassung zweier weiterer binnen kurzem gänzlich abgenommen wird. Unserer Propaganda hatte sich zu Beginn des Jahres unser Mitarbeiter Herr Professor Markon für Holland und Belgien zur Verfügung gestellt. Gegen Jahresende besuchte Herr Dr. Auerbach die Städte Leipzig und Hamburg. In Hamburg wurde die Gründung eines Ortskomitees vorbereitet, dessen Vorsitz Herr Max Warburg zu übernehmen sich freundlichst bereit erklärte. Die Einnahmen an Beiträgen und Spenden erfuhren mit insgesamt 142 347,21 RM. eine wesentliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. 112 000 RM. stammten von Einzelmitgliedern und Spendern, 30 000 RM. von Verbänden, Gemeinden und Logen. Leider mußte alles dem Jahresverbrauch zugeführt werden, eine Erhöhung des Grundfonds schloß der starke Etatsbedarf aus. Hingegen ist für die weiteren Jahre eine solche Erhöhung beschlußmäßig vorgesehen. Bestrebt, den Namen Bradts, dem die Neubildung des Grundvermögens Herzenssache war, mit den Fundamenten des Akademiebaus zu verankern, hat der Vorstand einen Bradt-Fonds geschaffen, der Bestandteil des Grundfonds werden soll. Für die Auffüllung sollen, abgesehen von Sonderspenden, deren erste vom Bruder des Verewigten stammt, ab 1. Januar 1929 Eingänge aus unserem Buchverkauf sorgen, wofür natürlich nur die Publikationen unseres Forschungs-Instituts, nicht aber etwa das Mendelssohn-Werk, an dessen Her-