Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
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Abner von Burgos 37 vertrauten Juden ein Vorschlag zur inneren Reform des Judentums entworfen worden. Daß in Spanien acht Jahre nach der offiziellen Vertreibung noch unter der Maske des Christentums jüdisch gebildete und dem Judentum innerlich treue Juden lebten, wissen wir zur Genüge. Es ist auch theoretisch glaubhaft, daß. sich in diesen Kreisen bei aller Ablehnung des Christentums eine kritische Haltung gegenüber der jüdischen Tradition entwickelt hat. Die seit 1391 immer schwieriger werdende Lage der Conversos mußte die allgemeinen seelischen Vorbedingungen dazu schaffen, und die religiöse Polemik bot das theoretische Rüstzeug zur Selbstanalyse. Die Waffen der historischen Kritik, die ein Profet Duran mit erstaunlicher Sicherheit gegen das Christentum führte, mußten eines Tages auch auf das Judentum angewandt werden. Die karäische und arabische Polemik, die, wie wir sahen, von der christliehen Polemik lebendig erhalten, wurde, bot bereits alle erforderlichen Grundlagen. Wesentlich Neues war dem kaum noch hinzuzufügen. Nur eine grundsätzlich neue Wendung mußte sich im Judentum vorbereiten. Das Mittelalter hatte nur eine Alternative gewußt: entweder das Judentum als Ganzes anerkennen, oder es verwerfen und in das feindliche Lager übergehen. Im Herzen der Konvertiten konnte sich noch manches andere abspielen, aber das durfte nicht nach außen hervortreten. Vielleicht ist die „Stimme eines Toren" das erste deutliche Zeichen dieser neuen Wendung: Kritik und doch Treue gegenüber dem Judentum. Einstweilen scheint das noch eine ganz vereinzelte Stimme zu sein. Aber die Geschichte und Literatur des Judentums vom ausgehenden Mittelalter bietet sowohl intensiv wie extensiv noch neue Möglichkeiten der Erkenntnis, und mir scheint, daß hier mehr Ansätze für die Entwicklung des modernen Judentums liegen, als man bisher geahnt hat.