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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 34

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 34 (sequence 36)
Language
German
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34 Fritz Baer etwa bis zum 50. Lebensjahr angehört hatte, aufs Heftigste befeindet und ihr böswillige Verleumdungen angeheftet. Er hat den Rest seines Lebens nicht nur dazu benutzt, seine neuen Erkenntnisse zu verbreiten, sondern auch seine alten Freunde mit Hilfe der öffentlichen Gewalten zu verfolgen. Uns soll auch in diesem Punkt nur die literarische Seite seines Wirkens beschäftigen. Im zehnten Kapitel seines More Zedek hat er die jüdischen und christlichen Gesetze und die Charakterzüge des zeitgenössischen Judentums und Christentums einander gegenübergestellt. Der Verfasser geht dabei von einer Analyse des Mischne Tora des Maimonides aus. Wie in dem ganzen Werk kommt dabei nicht nur der „Lehrer der Gerechtigkeit", sondern auch der „Rebell" als Vertreter des Judentums in verhältnismäßig unparteiischer Weise zu Wort, und hier wie auch sonst häufig hat man den Eindruck, daß dieses polemische Riesenwerk nur eine Sammlung tatsächlich geführter Dispute ist. Die Sätze, mit denen die Bekenner beider Religionen sich selber und den Gegner charakterisieren, bieten, ähnlich manchen Abschnitten im Schebet Jehuda, dem jüdischen Historiker eine ungewöhnlich interessante Lektüre4). Seine Angriffe auf den Talmud sind jedoch von mehr als zeitgeschichtlicher Bedeutung. Sie geben die Möglichkeit, die im Abschnitt 6 dargelegten Zusammenhänge weiter zu verfolgen. Abner hat ebenso wie Donin zur Bekämpfung der Halacha auf karäische Literatur zurückgreifen müssen, deren Invektiven in seiner Wiedergabe ihr ursprüngliches Leben wiederzugewinnen scheinen. Es ist karäisches Erbe in christlicher Einkleidung, wenn Abner seinen Zorn über die Rabbiner und Parnassim ausschüttet, die aus purer Herrschsucht die Juden in ihrem Glauben und ihrer trügerischen Hoffnung bestärken. Wie die Karäer deutet Abner die vom Propheten Sacharia Kap. 5 geschaute und im Talmud (Erubin 21a) ausgelegte Vision von der „doppelten Rolle" im talmudfeindlichen Sinne aus. Es ist das Symbol der doppelten Lehre, der schriftlichen und der mündlichen, die jener vollkommen entgegengesetzt ist. Das ist der Talmud Babli, ein Buch der Verwirrung und Finsternis. Wie die Karäer hat es Abner gewagt, den biblischen zehn Geboten eine Tabelle der talmudisehen „nicht guten Gesetze" (chukim lo tobim) gegenüberzustellen. Diese verruchte Gesetzestafel des Abner hat zu viel Ähnlichkeit mit der entsprechenden eines Karäers wie etwa des Salomo ben Jerucham (10. Jahrhundert), als daß es sich hier um einen Zufall handeln könnte. Abner hat freilich von den von ihm übernommenen Angriffen seiner? abweichenden Auffassung entsprechend einiges streichen und umändern müssen. Nach dem Karäer haben die Rabbinen dem ersten und zweiten Gebot ihre mystischen, anthropomorphen Vorstellungen von Gottes Wesen gegenüber- 4) Aus dem Wortkampf mag eine charakteristische erheiternde Anekdote mitgeteilt werden. Der Mored macht gegen den More für die Wahrheit der jüdischen Religion geltend, daß bei Regennot die Christen und Mauren mit all ihren Prozessionen nichts ausrichten; aber wenn die Juden anfangen zu fasten und zu beten, dann kommt der Regen gewiß. Das ist kein Beweis, erwidert der More. Die Juden warten immer, bis die andern ihre religiösen Uebungen erschöpft haben, und einmal muß ja der Regen kommen. — Aber es gibt allerdings auch Gründe, weswegen der Ungläubige erhört werden kann. Das wird dann näher ausgeführt.

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