Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
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Abner von Burgos 33 nur einen Weg gehen konnte. Er hat nun seine Beobachtungen mit einem von ihm entworfenen System einer Entwicklungsgeschichte der christlichen Erlösungslehre verbunden, das der Arbeit der ganzen Schule erst Sinn und Zusammenhang verlieh. Seine christologische Deutung stützte sich vor allem auf die Lehre von den Gottesnamen, auf die hagadischen Ausdrücke und Lehren von den göttlichen Manifestationen und Hypostasen, wie Schechina, Makom, Matatron (nach Abner von einem angeblichen griechischen Wort Matater Gesandter), auf die früher von den Karäern und Christen als so anstößig empfundene Lehre vom Schiur Koma und ähnliches. Derartige Vorstellungen sind nichts anderes als Zeugnisse eines allgemeinen Bewußtseins der „Einkleidung" (Inkarnation) Gottes im Menschen, die sich mannigfaltig manifestiert, aber erst in Christus ihre höchste Verwirklichung gefunden hat. Diese Einkleidung ist die Garantie für die individuelle Unsterblichkeit und für die Vergeltung im Jenseits. Die antiken Völker und auch die Philosophen bis auf Maimonides herab haben eine geheime Ahnung von dieser Tatsache besessen. Daher die Selbstvergötterung der Cäsaren und der Rückfall so weiser Männer wie des König Salomo in den Götzendienst. Daher erklären sich Aussprüche wie der Hillels: „Wenn ich da bin, ist alles da", Aussprüche wie der eines Philosophen: „Ich bin der Intellectus Agens". Daher scheut sich selbst der Midrasch nicht, Jacob Gott zu nennen. Auf diesem Weg ist der Mensch zur Häresie gelangt. Dieses Mysterium konnte im alten Israel nicht offenbart werden. Die Menschen mußten erst zum Glauben an einen einzigen Gott und an eine Vergeltung, wenn auch nur im Diesseits, erzogen werden. Eine weitergehende Belehrung hätte sie nur wieder der Vielgötterei in die Arme getrieben. Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil wären die Juden zum Empfang der wahren Lehre reif gewesen. Aber da kamen die Häresien von Zadok und Betos, und die Erlösung mußte noch einmal aufgeschoben werden. Als sie kam, wollten viele Juden die christliche Lehre nicht anerkennen, weil sie in ihr einen Rückfall in den Polytheismus sahen. In der Tat verfiel diesem Irrtum, wie später Arius und Mani, Elisa, der Lehrer des Rabbi Meir. Er gehörte nach der Hagada zu den vier Männern, die in das Paradies, d. h. in die göttliche Wissenschaft, eintraten. „Er schnitt die Zweige ab", d. h. er leugnete die Personen in Gott, indem er sie für getrennte Wesen hielt, wie die Zweige eines Baumes. (Ich übergehe Abners Auslegung der Trinitätslehre und begnüge mich mit den angeführten Proben, die für den Kenner sprechend genug sein werden). 8. Abners Verhältnis zum Talmud. Wenn Abner noch den heutigen Leser durch religiöse Ursprünglichkeit, durch Gelehrsamkeit und Tiefsinn überrascht, so fehlt ihm doch nichts von den niedrigen Zügen, die von dem Charakter eines mittelalterlichen Renegaten untrennbar sind. Er hat das talmudische Judentum, die Gemeinschaft, der er