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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 30

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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30 Fritz Baer schrieben, aus einer karäischen Vorlage, wie mir die Worte Gregors IX, und die erste Gruppe der Thesen bereits ziemlich deutlich zu zeigen scheinen. Das bestätigt sich nun weiter durch den Inhalt der Angriffe der zweiten Gruppe. Die unwürdigen Gottesvorstellungen und Blasphemien des Talmud bilden eine unerschöpfliche Quelle für die wilden Invektiven der Karäer. Ein karäischer Schriftsteller des 12. Jahrhunderts, Jehuda Hadassi, geht in seinem Eschkol Hakofer Seite für Seite des Talmud durch, um derartige anstößige Stellen herauszusuchen. Diese Angriffe waren schon früher in die außerjüdische Literatur übergegangen. Es ist bereits von Jellinek vermutet worden, daß Aben Hazam aus Cordoba, ein außerordentlich kühner mohammedanischer Religionskritiker des 11. Jahrhunderts, die von ihm verspotteten Hagadot karäischen Schriften entnommen hat. Seine zahlreichen Mißverständnisse machen es ohnedies wahrscheinlich, daß er nicht imstande war, aus erster Quelle zu schöpfen. Durch dieselbe Vermittlung sind die christlichen Polemiker mit der jüdischen Midrasch-Literatur bekannt geworden. Schon der Erzbischof Agobard von Lyon (Anfang des 9. Jahrhunderts) greift die jüdischen mystischen Lehren vom Schiur Koma und von den Hechalot und ähnliches an, dieselben Lehren, die von Anfang an ein Ärgernis der Karäer waren. Woher sollte ein Erzbischof von Lyon derartige Dinge gewußt haben, wenn er sie nicht aus polemischen Traktaten abschrieb, die innerhalb der Juden entstanden waren? Eine sehr ähnliche Liste von inkriminierten Hagadot wie bei Donin findet sich bereits bei dem Konvertiten Petrus Alfonsi aus Huesca (Anfang des 12. Jahrhunderts) und bei Petrus Venerabiiis, dem Abt von Cluny (Mitte des 12. Jahrhunderts), hier vermehrt durch Beispiele aus jüngerer, apokrypher Midrasch-Literatur. Die zitierten Beispiele sind so gering an Zahl im Verhältnis zu dem vorhandenen und von den Karäern angehäuften Material, daß von einer selbständigen Auswahl kaum die Rede sein kann. Auch diese christlichen Schriftsteller müssen mit erborgten Waffen gekämpft haben. Das läßt sich mit ziemlicher Bestimmtheit behaupten. Jehuda Albargeloni (Anfang des 12. Jahrhunderts) hat die umfangreiche Einleitung zu seinem Kommentar zum Sefer Jezira restlos der Widerlegung derartiger Angriffe gewidmet. Er kämpft gegen zum Christentum bekehrte Juden vom Schlage des Petrus Alfonsi, vielleicht gegen diesen selber, und gegen Häretiker. Damit sind doch wohl die Karäer gemeint. Jedenfalls führt er zur Verteidigung umfangreiche Stücke aus älterer antikaräischer Literatur an; er kann sie ohne weiteres gegen seine zeitgenössischen Gegner verwenden. Der Zusammenhang zwischen christlicher und karäischer Polemik scheint mir daher gesichert. Dabei muß man sich vor Augen halten, daß diese Angriffe im Munde der mittelalterlichen Kirche seltsam genug klingen. Es war ein innerer Widerspruch, wenn die offizielle Kirche sich in die Lehrstreitigkeiten innerhalb des Judentums einmischte. Zudem bot sie selber ähnliche Angriffsflächen wie das Judentum (was ein jüdischer Apologet des 13. Jahrhunderts nicht versäumte zu betonen), und andererseits die geeigneten Interpretationsmethoden, um alle Schwierigkeiten zu beheben. Die Angriffe

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