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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 28

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
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28 Fritz Baer auch Galipapa ergangen. Aber dessen literarische Beziehung zu Abner dürfte zeigen, daß es auf nichts anderes ankam, als die Einwände der christlichen Gegner zu bagatellisieren, indem man sie akzeptierte. Es gehörte zur Taktik der Juden in den Disputationen dieser Zeit, bei Erörterung der Differenzpunkte zwischen Judentum und Christentum die Messianologie für eine Frage zweiten Ranges zu erklären. Es wird einmal nötig sein, den historisch fruchtbaren Gehalt dieser exegetischen Kämpfe in größerem Zusammenhang herauszuarbeiten. Von individuellem Interesse ist jedoch Abners Versuch, die christlichen Dogmen aus dem Talmud selber zu beweisen. Auch diesen Weg ist er freilich nicht ganz selbständig gegangen, sondern er hat sich einer bereits geschaffener. Methode angeschlossen, um sie in seiner Weise weiter auszubauen. Um seine Gedankengänge hier verfolgen zu können, müssen wir bis zum Ausgangspunkt seiner Vorgänger zurückgehen. 6. Die Grundlagen der christlichen Talmudkritik des Mittelalters. Im Jahre 1239 erließ Papst Gregor IX. ein Rundschreiben an den Klerus und die Könige der europäischen Staaten, worin er eine allgemeine Konfiskation der jüdischen Bücher zum Zwecke einer näheren Untersuchung ihres Inhalts befahl. Die Einleitungsworte dieses Schreibens lauten: „Wenn das wahr ist, was von den Juden gemeldet wird, so wäre keine Strafe für sie ausreichend. Denn sie versichern, wie wir gehört haben, mit dem alten Gesetz, das Gott durch Moses schriftlich gab, nicht zufrieden, sondern es ganz übergehend, daß Gott ein anderes Gesetz, welches Talmud, d. h. Lehre, genannt wird, gegeben und Moses mündlich überliefert habe, das solange ohne Niederschrift aufbewahrt sei, bis gewisse Männer kamen, die sie Weise und Schreiber nennen, die das Gesetz, damit es nicht in Vergessenheit gerate, in einer Schrift, deren Umfang den Text der Bibel ungeheuer überschreitet, niedergelegt haben, in der so viel Mißbräuchliches und Ruchloses enthalten ist, daß es dem Wiedergebenden zur Scham und den Hörenden zum Schrecken gereicht". Der Wortlaut dieser Bulle geht ohne Zweifel auf eine Eingabe des Konvertiten Nikolaus Donin zurück. Was mit den im Talmud enthaltenen Mißbräuchen und Ruchlosigkeiten gemeint ist, erfahren wir des Näheren aus den Akten einer Disputation, die Donin im Jahre 1240 zu Paris in Gegenwart des königlichen Hofes und des hohen Klerus mit den Vertretern der französischen Juden gehabt hat. Wir besitzen darüber außer dem hebräischen Bericht eines jüdischen Teilnehmers die diesen Bericht bestätigenden lateinischen Thesen, die der Disputation zur Grundlage dienten, und einen offiziösen Kommentar, der die talmudischen Belegstellen liefert, alles Materiellen, die von Donin oder Männern aus seinem Kreis zusammengestellt worden waren. Die Disputation führte bekanntlieh zur Verdammung und Verbrennung des Talmud. Die Angriffe auf den Talmud können auf folgende Punkte reduziert werden: 1. Der Talmud erkennt

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