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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 25

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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IRI
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Abner von Burgos 25 er — eines Weisen unwürdig — gegen die Religion aufgetreten war, in der er aufgewachsen, und habe seinen Gesinnungswandel dem Fatum und dem Einfluß der Gestirne zugeschrieben. Denn im Herzen sei er dem Judentum treu geblieben. Zur näheren Begründung habe er eine Schrift über das Fatum verfaßt, eine Schrift, aus der Narboni einige Sätze zitiert, um sie in einem noch erhaltenen Traktat über die Willensfreiheit zu widerlegen. Nun liegt im Escorial eine spanisch geschriebene Abhandlung gegen den astrologischen Fatalismus, die mit guten Gründen unserem Abner zuerkannt werden muß. Ganz im Gegensatz zu der philosophischen Gelehrsamkeit, mit der sowohl Narboni wie der von ihm bekämpfte Autor zu Werke gehen, vertritt hier der echte Abner eine schlichte religiöse Auffassung der Willensfreiheit und begnügt sich damit, zur Begründung auf einfache, naheliegende Bibelworte zu verweisen. Er spricht dabei gelegentlich von den Juden seiner Zeit, die besonders allem astrologischen Aberglaube! ergeben seien. Ähnliche Äußerungen finden sich auch in seinem theologischen Hauptwerk. Wie noch weiter darzulegen, ist es gerade Abner, der dem zeitgenössischen Judentum philosophischen Skeptizismus zum Vorwurf macht. Es ist kaum denkbar, daß Abner, ein so wenig gefestigter Mann er gewesen sein mag, in seinen letzten Lebenstagen einen zweiten religiösen Zusammenbruch erlebt haben sollte. Jedenfalls würde er es nicht gewagt haben, öffentlich darüber Zeugnis abzulegen. Da hatte Pollegar die Situation wohl richtiger beurteilt, als er ihm bald nach seinem Übertritt schrieb: „Nachdem dich einmal deine Sünden hierzu verführt haben, wirst du nicht mehr die Freiheit haben, öffentlich zu bereuen, sondern es bleibt dir nichts anderes übrig, als die Lehren deiner neuen Religion zu verteidigen, um den Leuten zu zeigen, daß du dies aus Weisheit getan hast, und auch zu mir und meinesgleichen wirst du immer nur so reden können, damit du nicht hinweggerafft wirst." Wir müssen also annehmen, daß die von Narboni bekämpfte Schrift nicht von Abner stammen kann, sondern ihm durch Zufall oder böse Absicht untergeschoben worden ist. Was schließlich die materiellen Verhältnisse des Konvertiten betrifft, so endet sein Leben vollkommen im Dunkeln. Der kastilische Königshof scheint ihn begünstigt zu haben, soweit es sich darum handelte, seine propagandistische Tätigkeit zu unterstützen. Ob die Kirche an seinen Ideengängen eine reine Freude gehabt haben kann, mögen andere entscheiden. Er selber rühmt an einer Stelle, daß ein jeder, der sich durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit auszeichne, eine kirchliche Würde, sei es die eines Kanonikus, Prior oder selbst eines Bischofs oder Papstes, erlangen könne. Er hat es jedenfalls über den Posten eines Sakristans in Valladolid nicht hinausgebracht. Das war doch ein bescheidener Erfolg gegenüber der Karriere, die manch anderer Konvertit in Spanien durchlaufen hat. Schließlich muß man auch gerecht genug sein zuzugestehen, daß es im mittelalterlichen Spanien für einen begabten Juden, der philosophisch zu Schriftstellern verstand, noch andere Aussichten gab, als die, das Leben bei einem bescheidenen Maß von Wasser und Brot nach dem Ideal der talmudischen Weisen zu fristen. Wir werden

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