Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
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Mendelssohns Begriff vom Judentum 19 tion und Ausübung, die kein Gewissenhafter überschreiten darf." Deshalb also fällt der „Jerusalem" in zwei Teile auseinander; im ersten spricht der „Aufklärer", mit Hamann zu reden: der „Sophist", im zweiten der „Stockjude". Die Paradoxie aber liegt darin, daß der entschiedene Rationalist, als er die Religion, das Judentum, philosophisch begründen wollte, für dieses nur die nichtrationalen Elemente zurückbehielt. Es ist hier nicht der Ort, die allgemein philosophische Bedeutung dieses Effekts darzulegen — über die philosophische Struktur des Mendelssohnschen Religionsbegriffs hat Ernst Cassirer in der „Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums" gehandelt — es soll auch nicht die Richtigkeit dieses Begriffs geprüft werden — Hermann Cohen in seiner Arbeit „Deutschtum und Judentum" hat wesentliche Gesichtspunkte dazu gegeben; es sollte nur seine befremdende Eigenart erklärlich gemacht werden. Seine hier aufgezeigte Bedingtheit in einer bestimmten philosophischen und persönlichen Konstellation läßt verstehen, daß ihn niemand akzeptieren konnte, der nicht von gleichen Voraussetzungen ausging. Unter den jüdischen zeitgenössischen Kritikern, von denen Mendelssohns Briefe sprechen, hatte sie keiner, am ehesten sahen noch die unbeteiligten christlichen Kritiker, woher Mendelssohns Auffassung kam. Die jüdische Theologie nach Mendelssohn nahm seinen Begriff absolut und tat ihm, ob sie nun reformerisch oder orthodox war, Unrecht. Eine prinzipielle Würdigung der Mendelssohnschen Bemühungen in Hinsicht auf eine philosophische Begründung des Judentums steht für ihn, ebenso wie für alle voraufgehenden jüdischen Philosophien, noch aus. Wir betrachten die vorliegende Studie als Vorarbeit, die mit der Feststellung des zeitlich Bedingten in Mendelssohns jüdischer Philosophie die Heraushebung der allgemeinen und bleibenden Beziehungen erleichtern kann.