Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
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18 Fritz Bamberger Erweiterung des Umfangs der dem Gesetz Unterworfenen, wenigstens der Idee nach, versucht ist — so ist sie nicht möglich. Es liegt auch nicht in seinem Sinn, eine „Kirche" aller wahren Theisten zu wollen. Derselbe Brief an Homberg wendet sich in außerordentlich scharfen Worten gegen solche Unitarier. „Es ist das Vereinigungssystem der Wölfe, die sich mit den Schafen so sehr zu vereinigen wünschen, daß sie aus Schaf- und Lammfleisch gerne Wolfsfleisch machen möchten" und in einem späteren Brief (4. Okt. 1783): „Dank für alle Toleranz, wenn man dabei noch immer an Glaubensvereinigung arbeitet." Der „Jerusalem" hat in seinem Beschluß als das gleichende besagende Forderung: „Brüder! ist es euch um wahre Gottseligkeit zu tun, so lasset uns keine Übereinstimmung lügen, wo Mannigfaltigkeit offenbar Plan und Endzweck der Vorsehung ist." Die Erhaltung dieser Mannigfaltigkeit war von zwei Seiten bedroht: von der Religion der Vernunft an sich, deren Charakter Allgemeinheit ist, und von denen, die im Christentum den besten und wahren Ausdruck dieser allgemeinen Religion sahen. Mendelssohn wollte Theist sein und Jude bleiben. Er sah richtig und betonte das gegenüber einem Lavater und Bonnet, daß die allgemeine Religion und ihre Wahrheitsgründe keine Festlegung auf eine besondere Offenbarungsreligion ermöglichten, er sah mit anderen Worten den unhistorischen und fertigen Charakter der Vernunftsreligion und vertrat ihn gegen den Entwicklungsbegriff Lessings. Und da der Gott der Vernunft (der „metaphysische") keinen Beweis für die Notwendigkeit der einzelnen Religion lieferte, so verband ihn Mendelssohn mit dem Gott des Judentums (dem „politischen"). „Gott, der Schöpfer und Erhalter der Welt, war zugleich der König und Verweser dieser Nation, und er ist ein Einiges Wesen, das so wenig im Politischen als im Metaphysischen die mindeste Trennung oder Vielheit zuläßt." Dieser Zustand kann durch die Zeit allein nicht revidiert werden und gilt, bis Gott selbst in ausdrücklicher öffentlicher Kundgebung diese Revision ausspricht. Das wäre dann allerdings bei vollkommener Aufhebung des Gesetzes die messianische Zeit. Von ihr hat Mendelssohn, wie schon erwähnt wurde, kaum gesprochen. Und es bleibt sein Geheimnis sogar, wie weit er sie und die damit verbundene Aufhebung des Gesetzes gewünscht hat. Es soll hier nicht die „Konsequenzerei" getrieben werden, die Mendelssohn selbst verabscheut hat, und gefragt werden, ob er von seiner philosophischen Anschauung aus sie hätte für sofort wünschen müssen. Der Zweck dieser Arbeit war gerade zu zeigen, wie unabhängig von der philosophischen Grundeinstellung die jüdische da i s t und beibehalten werden soll, wie sie sich nur als apologetische Tendenz äußert und wie Mendelssohns Begriff vom Judentum unter dem vorgezeichneten Zwang beider Faktoren zustandekommt. In vollständiger gedanklicher Einstimmigkeit zusammengebracht worden sind sie nicht. Mendelssohn hat es selbst gesagt, daß „uns unsere Vernünftelei nicht von dem strengen Gehorsam befreien kann, den wir dem Gesetze schuldig sind" und damit den Bruch in seinem System bezeichnet. „... die Ehrfurcht vor Gott ziehet eine Grenze zwischen Spekula-