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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 10

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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10 Fritz Bamberger Sie, bei Ihrer völligen Überzeugung von dem Wesentlichen Ihrer Religion, sich dennoch getrauen wollten, ,mit denselben Gründen, womit Bonnet das Christentum beweist, welche Religion man will, zu verteidigen.'" Er appelliert an Mendelssohn als den Bekenner einer „geoffenbarten Religion", der die „philosophischen Gründe" angeben soll, auf die er die „Göttlichkeit der jüdischen Religion" stützt. Er begnügt sich nicht mit der Erklärung Mendelssohns, daß er keinen Widerspruch zwischen den religiösen Inhalten und den philosophischen gefunden habe, sondern akzentuiert die Frage ganz scharf auf den Wahrheits a n s p r u c h, die ^Göttlichkeit" der jüdischen Religion, die sich mit dem der christlichen vor der Philosophie auseinanderzusetzen habe. „Nötige i will ich Sie freilich nicht, redlicher Wahrheitsfreund (denn ich habe kein Recht dazu), Bonneten oder das Christentum zu widerlegen, oder zu sagen, warum Sie ein Jude und kein Christ sind?" Jetzt, in der „Nacherinnerung", die der Antwort Lavaters beigegeben ist, und ausführlicher in den „Gegenbetrachtungen über Bonnets Palingenesie", kommt Mendelssohn Lavaters Aufforderung nach und legt Gründe vor, um den Anspruch der sinaitischen Offenbarung zu belegen. Damit bekommt, und die Bedeutung dieser Wendung muß jetzt festgehalten werden, Mendelssohns „Verteidigung" eine andere Richtung, und das heißt zugleich, die philosophische Darstellung des Judentums rückt in ein neues Feld. Lavaters „Nötigung" liegt in der Konsequenz des Gedankens. Denn die Erwägungen und Überzeugungen, mit denen Mendelssohn nach seinem eigenen Bericht vor dem Lavaterstreit das Problem der Religion erledigte, lassen Fragen übrig. Mendelssohn war der Überzeugung, Religion und Philosophie ohne Schwierigkeiten nebeneinander haben zu dürfen, weil er nie bemerkt hatte, daß die philosophische Lehre, die er entwickelte, irgendeinmal seiner Religion widersprach. Aber bis zum Lavaterstreit existiert nicht die Andeutung eines Versuchs, die religiöse Tradition als solche, deren Anspruch selbst, dem Kriterium der Philosophie zu unterwerfen. Der Grund, daß nicht einmal der Gedanke daran aufgekommen war, liegt in verschiedener Richtung: es gab keine jüdische „Theologie" in der Art der christlichen, als Sammlung und System der religiösen Wahrheiten, die den Anspruch einer spezifisch religiösen Erfahrungsquelle wachhielt, sie war auch tatsächlich von der jüdischen Religion aus nicht möglich; und, das ist ein zweiter damit zusammenhängender Gesichtspunkt, die Religion wurde von dem Juden nicht zentral als ein System von Glaubens- und Heilswahrheiten, überhaupt wenig als Erkenntnisse vermittelnd empfunden, ihre Realität trat ihm entgegen, indem er von ihr die Anweisungen zu leben bezog, vom göttlichen Gebot herunter bis zum regional gebundenen Brauch. Mendelssohn hätte die Möglichkeit gehabt, auch mit sachlichen Gründen die Frage Lavaters (in der zugespitzteren und provokanteren, aber auch „philosophischeren" Form der „Antwort") abzulehnen oder ihr auszuweichen. Er hätte erklären müssen, daß es bei der ganz anderen Art des Judentums nichts

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