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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 9

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707532--417-2707989
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Mendelssohns Begriff vom Judentum 9 es mit aller möglichen Freiheit, mit allem nur ersinnlichen Nachdruck zu tun. Sie allein dürfen und können in dieser Sache so sprechen und schreiben und sind daher unendlich glücklicher als andre ehrliche Leute, die den Umsturz des abscheulichsten Gebäudes von Unsinn nicht anders als unter dem Vorwande, es neu zu unterbauen, befördern können." Lessing versteht den Brief Lavaters als einen Angriff gegen die Bekenner der allgemeinen Religion, und er wäre zufrieden, wenn Mendelssohn das „abscheulichste Gebäude von Unsinn" zerstören und so den Glanz und die Wahrheit der allgemeinen Religion neu herausstellen würde. Mendelssohn aber muß in der Bekehrungsforderung einen Angriff auf sein Judentum, auf die zwanglose Vereinigung, die ihm Judentum und Vernunftreligion bildeten, sehen, und wenn er sich überhaupt verteidigt, muß er diese Vereinigung rechtfertigen. Mendelssohn hat zunächst nicht die Absicht, das zu tun. Das „Schreiben an den Herrn Diakonus Lavater zu Zürich" versichert, daß er sich ganz klar sei und die Prüfung seiner Religion längst abgeschlossen habe. „Man muß gewisse Untersuchungen irgendeinmal in seinem Leben geendigt haben, um weiter zu gehen. Ich darf sagen, daß dieses in Absicht auf die Religion schon seit etlichen Jahren von mir geschehen ist. Ich habe gelesen, verglichen, nachgedacht und Partei ergriffen." Und was Bonnets Beweise für das Christentum angehe — sie zu prüfen und das Ergebnis der Prüfung für seinen Standpunkt nutzbar zu machen, habe er keine Veranlassung: das Judentum kenne keine Proselyten und das Gesetz Mose sei nur für Juden verbindlich. „Wir handeln nach unserer Überzeugung, und andre mögen die Gültigkeit der Gesetze immer in Zweifel ziehen, die ihnen, nach unserm eigenen Geständnisse, nicht obliegen ... Sobald wir andere von unserer Meinung nicht überführen wollen, so ist das Streiten unnütz." Aber diese Uninteressiertheit an der Aufgabe, die ihm Lavater zuschieben will, zu beweisen, warum er bei seinen philosophischen Anschauungen noch Jude ist, kann Mendelssohn nicht aufrecht erhalten. Lavater gibt ihm in seiner Antwort die Frage aufs neue mit einem Vorwurf hin, dem Mendelssohn nicht widersteht. Mendelssohn hatte in seinem Schreiben nebenbei ein Urteil über Bonnets Beweise abgegeben: „Mir kommt es vor, als wenn die innere Überzeugung des Herrn Bonnet und ein löblicher Eifer für seine Religion den Beweisgründen Gewicht zugelegt hätte, das ein anderer nicht darin finden kann. Seine mehrsten Schlußsätze scheinen mir so wenig aus den Vordersätzen zu folgen, daß ich mir getrauen wollte, welche Religion man will, mit denselben Gründen zu verteidigen." Diesem ganz harmlosen Passus aber gibt Lavater nun einen Sinn, den er nie hatte und den Mendelssohn auch zurückweist; aber der Stachel bleibt. Mendelssohn habe von der Lehre gesprochen, die aber habe er, Lavater, nie gemeint; die „T a tb e w e is e" für das Christentum hätte Mendelssohn widerlegen sollen. „Nur die Geschichte wollte ich vorerst von einem unparteiischen Philosophen untersucht wissen. Das konnte ich mir freilich gar nicht vorstellen, und es ist mir jetzt noch unerklärlich, wie

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