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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 7

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707532--415-2707987
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Mendelssohns Begriff vom Judentum 7 und Handlungen zu prüfen, habe ich gar frühzeitig erkannt, und wenn ich, von früher Jugend an, meine Ruh- und Erholungsstunden der Weltweisheit und den schönen Wissenschaften gewidmet habe, so ist es einzig und allein in der Absicht geschehen, mich zu dieser so nötigen Prüfung vorzubereiten ... Wäre nach diesem vieljährigen Forschen die Entscheidung nicht völlig zum Vorteile meiner Religion ausgefallen, so hätte sie notwendig durch eine öffentliche Handlung bekannt werden müssen... Da sie (die Untersuchung) mich aber in dem bestärkte, was meiner Väter ist, so konnte ich meinen Weg im Stillen fortwandeln, ohne der Welt von meiner Überzeugung Rechenschaft ablegen zu dürfen." Man sieht hier — und im Verlauf der Auseinandersetzung mit Lavater und Bonnet sowie in den Antworten auf die Fragen anderer nach seiner Stellung zur Religion wird diese Anschauung immer deutlicher formuliert — daß Mendelssohn sich durch diese Untersuchung ein für allemal vor Störungen seiner Philosophie gesichert hat, die andererseits ihm die Mittel erst gab, diese Untersuchung durchzuführen, und daß er nun — danach! — unbeschwert und zu gleicher Art des Philosophierens fähig in den Kreis der Philosophen treten kann und darf. Deren Philosophie ruht auf der Voraussetzung der Souveränität der Vernunft, auf der Anschauung also, daß der Mensch aus sich alle Wahrheit entwickeln und alle Grundsätze, um ein vernünftiges und glückseliges Leben zu führen, bilden könne. Diese prinzipielle, allen Menschen zugängliche Fähigkeit macht die Forderung der Toleranz selbstverständlich, und die Möglichkeit, mit ihr zu sonst durch Offenbarung vermittelten Ideen, zu einer „allgemeinen Religion" zu kommen, macht von der Philosophie aus das Problem der einzelnen Religion und der Zugehörigkeit zu einer solchen gleichgültig. Wohlverstanden, es soll hier nicht behauptet werden, daß die deutsche aufklärerische Philosophie die konkrete Religion und die um sie kreisenden Fragen abgelehnt und nicht gekannt hätte: sie hat ja eine spezifische Theologie entwickelt — aber in ihren sachlichen Grundlagen und in der gefühls- und gesinnungsmäßig sich kundgebenden Überzeugung, in die sie diese und alle ihre Konsequenzen einbettete, war kein Platz dafür. Es bestand natürlich ein Problem der Offenbarungsreligion, d. h. es konnte und mußte vielleicht sogar entstehen, aber es war nicht immer da: es trat an die Philosophie für den heran, der an der Eingliederung religiöser Inhalte in das philosophische System oder an ihrer Kritik von der Philosophie aus interessiert war. Der Bekenntnisbrief Mendelssohns an den Erbprinzen von Braunschweig zeigt, und die persönliche Situation Mendelssohns und die Eigenart seines Entwicklungsganges machen das leicht verständlich; daß es bei ihm anders war. Der prinzipielle Autonomiecharakter der Philosophie, der die Religion Gegenstand (wenn auch nicht im modernen Sinne) werden kann, bleibt natürlich unberührt; aber der Philosoph Mendelssohn hatte immer seine Religion vor Augen, immer in ihrer Verwendung — rechtmäßig — die philosophischen Mittel dazu benutzt, diese Religion, nicht die Berechtigung ihrer Sonderexistenz — die war selbstverständlich — sondern ihren Inhalt, zu prüfen. Und er verfügte also danach über einen Gedankenbestand, der zwar

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