Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
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Der Diwan des Mose ibn Esra Von H. BRODY Vor neunzig Jahren hat Luzzatto den handschriftlichen Diwan Mose ihn Esras (— MiE.) erworben und davon seinen Freunden J. S. Reggio (Kerem chemed FV, 65; 80) und Leop. Dukes (Briefe S. 421) in ausführlichen Schreiben Mitteilung gemacht, die auch einige Auszüge — ausgewählte Verse und Versgruppen, aber nur sehr wenige vollständige Gedichte — enthalten. Ein Jahr später veröffentlichte Dukes in seinem Buche „Moses ben Esra aus Granada4' (Altona 1839, S. 95—106) vierzehn Stücke „Aus dem Diwan", auf Grund von Abschriften, die ihm der allezeit dienstfertige und hilfsbereite Luzzatto zugehen ließ. Dann erschienen, teils nach der Handschrift Luzzattos, die später in den Besitz der Bodleiana überging (im folgenden DMs.), teils nach anderen handschriftlichen Quellen, einzelne Gedichte in Zeit- und Sammelschriften: es waren Kostproben, genug, um die Eßiust anzuregen, viel zu wenig, um den Hunger zu stillen. Die Veröffentlichung des ganzen Diwan stand lange auf dem Wunschzettel der jüdischen Wissenschaft, aber keiner hatte den Mut, die gefahrvolle Aufgabe zu übernehmen. Als Unterlage kam im wesentlichen nur DMs. in Betracht; eine zweite Handschrift, die des Baron Günzburg, war der Forschung nie zugänglich. DMs. bietet aber einen Text, der in seiner Fehlerhaftigkeit oft tückisch ist, wie das Schicksal: von einer gewinnenden Glätte und doch voll Stacheln und Fallen. Als ich 1896 in der Steinschneider-Festschrift zehn, in der Monatsschrift f. G. u. W. d. J. fünfzehn Gedichte nach DMs. veröffentlichte, habe ich die Schwierigkeiten wohl geahnt, aber nicht in ihrer ganzen Größe erkannt. Diese Erkenntnis habe ich erst allmählich gewonnen. Immer, wenn ein Gedicht, nach — wie ich glaubte — sorgfältiger Bearbeitung gedruckt vor mir lag, habe ich mich überzeugen müssen, daß die Beseitigung der gröbsten Fehler meine Aufmerksamkeit von anderen, im Grunde genommen nicht minder groben Fehlern abgelenkt hatte. Das hatte eine gewisse Mutlosigkeit zur Folge und ich ließ jahrelang MiE. ruhen. Ich habe ihn studiert, aber nichts von ihm ediert. In den letzten Jahren bin ich etwas mutiger geworden, mutig bis zu jener Kühnheit, die es mir gestattet, dem Wunsche des verehrlichen Vorstandes unserer Akademie zu entsprechen und die Bearbeitung des Diwan zu übernehmen. In drei Jahrzehnten habe ich an eigenen und anderer Herausgeber Irrungen gelernt und auf Grund vergleichender Studien gewisse Richtlinien gewonnen, deren Beobachtung bei der Auffindung und Berichtigung von Text-